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Attachment PAPArenting

18. Oktober 2017

Ja, die Papas von heute sind eine ganz besondere Vätergeneration, wie ich finde. Jedenfalls die, die ich in meinem Umfeld beobachten kann.

Es macht mir große Freude diese Entwicklung, dass Väter sich intensiv an der Begleitung ihrer Kinder beteiligen, zu sehen.

Wenn ich an die Väter meiner Kinderzeit zurück denke, sehe ich Männer, die viel arbeiten und dann nach der Arbeit ihren Hobbies frönen oder sich weiterer Arbeiten, wie Gartenarbeit, verschreiben. Mein Vater und die Väter meiner Kinderfreundinnen waren zwar da, lebten in der Familie, aber waren auch irgendwie nicht so richtig präsent, wie ich es bei der heutigen Generation beobachte.

Die Erziehung bzw. der Alltag mit den Kindern lag irgendwie bei den Frauen und der Tageseinrichtungen.

Ich kann und will mir das gar nicht für mein Lebenskonzept vorstellen, so viel allein zu tragen. Ich wäre ohne meinen Mann aufgeschmissen, hätte gar keine Minute für mich und könnte es mir auch ehrlich gesagt nicht vorstellen.

Jetzt muss ich gleich wieder an Alleinerziehende denken. Das ist absolut verneigungswürdig, was diese Menschen leisten. Oft denke ich daran, wenn ich einen harten Tag hatte und mich auf meinen Mann freue, der dann zur Unterstützung kommt.

Mein Mann ist genauso ein Teil unserer Attachment- Elternschaft wie ich. Ich finde auch, er hat noch mehr Ruhe und Gelassenheit in sich, als ich es je haben werde. Er hat sich über seine Vaterschaft und sein Gespür für sein Kind nochmal so entwickelt, dass ich einfach vor Liebe platzen könnte, wenn ich ihn mit seinen Kindern in Aktion sehe. Ich sehe einen Mann, der sich wirklich für seine Kinder ins Zeug legt. Nicht, weil ich es so möchte, sondern weil es aus ihm heraus kommt. Er ist nicht mehr der Junge, in den ich mich damals verliebt habe, er ist wirklich ein liebevoller und erwachsender Mann und Papa geworden, der von seiner Tochter abgöttisch geliebt wird. Auch sein Sohn berichtet ihm glucksend von seinem Tag, wenn er nach Hause kommt.

Ich bin sehr dankbar, denn wir sind DDR sozialisiert. Ich höre von den Frauen meiner Mutter- und Großmuttergeneration nicht, dass die Männer nachts mit aufstanden, um eine Windel zu wechseln. Leider wechselten einige Männer auch tagsüber nicht bzw. nie. Die Frauen dieser Generation mussten, meiner Meinung nach, eine Menge leisten. Ich höre Geschichten von Frauen, die arbeiteten und dann ihre Kinder betreuten, während die Männer noch gern ein Bier in den Kneipen der Dörfer zusammen tranken. So war das in der DDR und Wendezeit. Ich kann mir schwer vorstellen, dass diese Frauen ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen konnten, wie sie es gebraucht hätten. Es war sicher sehr intensiv und auch anstrengend.

Für mich funktioniert AP heute so gut, weil wir zu zweit sind und uns gegenseitig tragen. Das ist so wertvoll und unsere Kinder haben zwei präsente Ansprechpartner*innen.

Mir geht das Herz auf, wenn mein Mann in der Küche steht und sagt: „ Na es wird Zeit, dass er endlich Größe 68 hat, damit ich meine Trage nutzen kann. Deine ist nichts für mich.“ Mein Mann hat seine eigene Trage, seinen eigenen Stil und ist nicht auf mich angewiesen und bekommt die Kinder immer beruhigt. Nur beim Stillen oder beim abendlichen Zubettbringen des Seidenraupenkätzchens bin ich gefragt. Alles andere kann und macht er auch. Das ist irgendwie so selbstverständlich für uns. Ich habe so einige Frauen um die 70, 80 Jahre gesprochen, die es bewunderten, wie engagiert unsere Männer heutzutage sind. Also ein Hoch auf das Attachment Paparenting, meine neue liebste Wortschöpfung.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich es gut und wichtig finde, wie sich die Aufteilung der Elternrollen entwickelt hat, denn so besteht die Möglichkeit, dass alle unbeschadet bleiben, zwinker, zwinker.

Wie läuft es bei euch so? Habt ihr auch einen AP-Papa zuhause?

Eure Leen

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4 Comments

  • Reply 8BitPapa 21. Oktober 2017 at 07:47

    Das ist schön geschrieben und ich wünschte, von mehr Väterinvolvierung in unserer Umgebung zu hören. In der Realität treffen wir auf überraschend viele Berichte, wie wenig sich verändert hat. Naja, gut Ding will Weile haben. In der Überschrift und gegen Ende spielst du auf Attachment Parenting an. Welche Aspekte setzt ihr da erfolgreich um?

    • Reply Leen 23. Oktober 2017 at 09:49

      Oh das ist aber schade. Da hab ich ja in meinem Umfeld/ Freundeskreis echt Glück. Na unsere Männer tragen die Kinder viel. Wir schlafen im Familienbett und somit können wir auch nachts den Alltag meistern. Wir persönlich halten unseren Sohn ab und auch das können wir beide machen. Windel wechseln geht da ja auch gut. Mein Mann nimmt sich viel Zeit für seine Kinder und ist ein Partner für mich. Wir unterstützen und ergänzen uns. Wolltest du das wissen? Liebe Grüße

  • Reply Robert 30. Oktober 2017 at 13:28

    Ich habe keine Ahnung, was AP ist, aber ich bin schon neidisch, dass Stillen ausschließlich Frauensache ist.

    Es sind ganz einfach UNSERE Töchter und für mich, war es das größte als sie das erste mal auf meiner Brust eingeschlafen sind und finde es nach wie vor ziemlich schade, dass unsere Erstgeborene so selten zu uns ins Bett krabbelt 😉

    • Reply Leen 30. Oktober 2017 at 15:28

      Oh das glaube ich dir. Liebe Grüße und danke für deine Rückmeldung

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