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Attachment Partenting vs. Feminismus und ich

1. April 2017

Bei Twitter las ich eine Diskussion von Müttern, die ihre Kinder bindungsorientiert aufwachsen lassen und die mit Kritik anderer Mütter, dass ein Weg des Attachment Parentings dem Feminismus im Wege steht oder sogar kollidiert, konfrontiert wurden. 

Solche Gedanken finde ich spannend. Mein heutiger Beitrag beziehen sich auf einen kleinen Teil davon, meinen ganz privaten Feminismus und es wird keine politische Diskussion, denn darauf hab ich keine Lust. 

Ich finde es spannend, dass der bindungs- und beziehungsorientierte Weg immer wieder so angegriffen und in Bezug auf den Feminismus in Frage gestellt wird. 

Ich habe für mich eine klare Positions dazu. Mein Leben als AP-Mutter steht meinen Feminismus nicht im Weg! 

Warum? 

Weil ich einfach mal selbst entscheide, wie ich leben möchte. Das finde ich schon sehr feministisch und ich bin so ziemlich die einzige hier in meinem sozialen Umfeld, die so lebt, wie ich lebe. Das ist doch ein guter Anfang für eine stille Revolution, oder!? 

Einige werden mich belächeln, werden sagen: 

Die ist doch ewig in Elternzeit und Hausfrau und Mutter. 

Richtig, ich bin mit meinem Kind, bald meinen Kindern zuhause und das, weil ich es so will. Ich habe mich für einen Weg entschieden, der momentan zu mir passt. Ich lebe in einer Region, in der wir, glaube ich, fast die einzigen Eltern sind, die ihr Kind nicht familienergänzend betreuen lassen. Hier ist das nun mal nicht üblich. Ich fühle für mich, dass meine Tochter keine Krippe besuchen soll und so machen wir es auch.

Feminismus mit Mann

Ich habe feministische Gedanken und Ansichten und handele diese mit meinem Mann aus. Wir teilen unser Leben und die Arbeit mit Haus und Kind. Ich fühle mich gleichwertig und gleichwürdig. Ich bin momentan zuhause und er auf seiner Arbeit und wenn wir zusammen zuhause sind, arbeiten wir beide gleichberechtigt hier im Haushalt oder machen gleichberechtigt Pausen. 

Vielleicht tauschen wir ja, wenn ich die Kinder abgestillt habe, wer weiß das heute schon. 

Feminismus und der Pfeiler Menschenwürde  

Ich bin ein großer Verfechter der Menschenwürde. Ich sehe sie bei allen Menschen und auch bei Kindern. Das wird oft übersehen. Ja, Kinder sind Menschen und haben somit Menschenrechte. Ich sage es gern wieder und wieder zum Umgang mit Kindern: Wie würdest du dich in dieser Situation fühlen, wenn das jemand mit dir machen würde!?

Würde ich arbeiten gehen, müsste ich mein Kind fremdbetreuen lassen, in einer Gegend, in der noch sehr DDR-bezogene Methoden praktiziert werden (sicher nicht mehr überall, aber es ist schon noch sehr dominant). Ich würde meine Haltung verkaufen, dass Kinder gleichwürdig sind, wenn ich sie zu Menschen bringe, die das nicht so sehen. 

Mein Kind muss nicht aufessen oder allgemein essen, wenn es nicht will. Mein Kind wird auch nicht aufs Töpfchen gezwungen, wenn es nicht möchte. Das sind Dinge, die ich nicht akzeptieren kann. Ich bräuchte offene   und moderne Konzepte für mich und meine Kinder. 

Irgendwie ist regional noch etwas die Zeit stehen geblieben, für meinen Anspruch. Der Schlüssel gefällt mir auch nicht und ich finde es ungerecht, dass sich Kinder, besonders Krippenkinder, im Osten eine Kindergärtner_In zu fünft oder sechst teilen müssen. Ich blicke auf tolle Konzepte, die in den großen Städten laufen, die hier für uns unerreichbar scheinen. 

Was bin ich dann, wenn ich das zulasse, aber anders fühle und denke? Feministin, weil ich arbeiten gehe und gleichzeitig Mutter bin oder eine Verräterin meiner Einstellung gegenüber?

Ich bin eine Feministin, weil ich mich dafür entschieden habe, meine Kinder bedürfnisorientiert aufwachsen zu sehen und weil ich diesen Weg möchte. Ich habe entschieden! Ich allein! Natürlich mit meinen Mann zusammen, aber es geht ja heute um die feministische Haltug. 

Weil ich keine Kita in der Nähe habe, die so arbeitet, wie ich es gern hätte, machen wir es selbst. Es ist auch keine Kita-Kritik im Allgemeinen. Für mich gibt es hier in der Gegend einfach kein Konzepte, welche zu meinen Vostellungen passen.  

Ich bin AP- Feministin

ICH habe es entschieden. Ich lebe selbstbestimmt. Ich verzichte auf viel Geld. Ansehen von anderen Menschen „Ach du hast ja einen tollen Job“ brauche ich nicht mehr. Aus diesen Schuhen bin ich lange herausgewachsen. Arbeiten möchte ich irgendwann wieder und dann mache ich etwas, was mich erfüllt. Nicht mehr und nicht weniger. 

Feminismus ist ein großes Wort und Attachment Parenting auch. Ich verbinde beide Wörter, in meinem kleinen Kosmus, für mich als absolut kompatibel. Es ist mein Leben und ich finde es auch immer zu schrecklich, andere Menschen so einzuengen und zu stempeln. Ich finde es schön, wenn Frauen ihre Kinder bedürfnisorientiert begleiten und Karriere machen, ob in Partnerschaft oder allein. Ich finde es auch schön, wenn Frauen ganz für ihre Kinder da sind. Ich mag auch Kindergärtner_Innen und Pädagog_Innen, die Kinder als gleichwürdig sehen und ihnen auf vollster Augenhöhe begegnen. Am aller liebsten habe ich aber Menschen, und in diesem Themenbezug Frauen, die glücklich mit ihrer Situation sind, wie auch immer diese aussieht und ihren Feminismus mit der gleichwürdigen Liebe zu ihren Kindern leben und somit wunderbare Vorbilder für eine neue Generation sind. Wir sind vielfältig und Diversität sollte geachtet und gelebt werden. 
Eure Leen

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10 Comments

  • Reply Sanne 1. April 2017 at 15:45

    Hallo Leen,
    Ich finde deine Haltung und deine Einstellung genau richtig. Genauso wie ich es richtig und sinnvoll finde, sein Kind nach sechs Monaten, einem,zwei oder drei Jahren in die Kita zu geben. Richtig ist es, wenn es sich gut anfühlt.
    Wir Frauen hier in Deutschland haben wirklich das Problem, das wir gefühlt immer in einer Defensiv-Stellung sind und zwanzigtausend Jahre damit verbringen, uns zu rechtfertigen. Meisten vor allem vor uns selbst. Manchmal aber auch vor anderen Frauen.
    Ich kann deine Gründe für die Betreuung zuhause total gut nachvollziehen. Ganz ehrlich interessiert mich noch, ob du und dein Mann ganz speziell dich noch für die Zukunft abgesichert habt. Genauer für die Rente oder im Falle eines Falles von dem niemand von uns gerne ausgehen will und was meistens auch von uns Frauen verdrängt wird (also Unfall oder Scheidung).
    Ich freue mich tatsächlich schon sehr, wieder zu arbeiten und „mein eigenes Leben“ zu haben, aber Rente und Absicherung ist auch ein Grund, wieso ich schnell wieder arbeiten will. Es treibt mich einfach um, deshalb die, hoffentlich nicht zu persönliche Frage.
    Wie habt ihr das gelöst bzw. wie sieht deine Meinung dazu aus?
    Viele Grüße, Sanne

    • Reply Leen 1. April 2017 at 16:33

      Hallo Sanne, danke für deine Rückmeldung. Also ich bin tatsächlich noch in Elternzeit. Ich habe mir mein Elterngeld gesplittet und bin schwanger. Das mache ich in der nächsten Elternzeitperiode auch wieder so. Ich nehme mir die 2 oder 3 Jahre Elternzeit und splitte mir das Elterngeld über diesen Zeitraum. Wir kommen damit gut zurecht. Ich habe gelernt zu verzichten, aber schlecht geht es uns nicht. Ich kaufe mir nur nicht mehr jeden Krims und Krams. Danach möchte ich in Teilzeit arbeiten oder mein Mann in Teilzeit und ich voll. Ich habe eine gute Ausbildung und hier gute Chancen (so war es bis jetzt jedenfalls immer) und auch Angebote für die Zeit danach. Ich werde nicht für immer Hausfrau sein, nur so lange, bis unsere Kinder so klein sind. Ich habe immer gearbeitet, selbst im Studium hatte ich einen 30. Stunden Job als Erzieherin. Ich hoffe einfach, dass ich bis 2020 eine Lösung für eine geeignete Betreuung gefunden habe. Liebe Grüße Leen

  • Reply karl ranseier 1. April 2017 at 18:19

    der gedanke, dass erziehung vornehmlich frauensache sei und sich daher die kariere oder betreuungsfrage scheinbar selbst aus der perspektive einer selbsterklärten feministen als eine reine freuenfrage darstellt ist irritierend!

    • Reply Leen 1. April 2017 at 20:06

      Habe ich so nicht geschrieben. Mein Mann und ich teilen uns die Aufgaben und es ging auch eigentlich darum, dass sich Attachment Parenting und Feminismus nicht ausschließen.

    • Reply Anna 4. April 2017 at 14:02

      Wenn dann Mal endlich stillen und gebären gelernt haben, können sie die Kinder ja betreuen und Frau arbeiten gehen…
      Solange Frau dies noch tut, ist sie, jedenfalls am Anfang die Hauptbezugsperson und somit auch erstmal der Hauptpart für Erziehung, wenn man das so nennen möchte…
      P.S. Verwende keine Smilies. Die Ironie kann man selbst heraus lesen

      • Reply Leen 4. April 2017 at 14:47

        Auch das ist wählbar…Smiley, Smiley. Smiley!

  • Reply Marie 1. April 2017 at 20:32

    Liebe Leen!
    Danke für deinen Text – ich teile deine Meinung. Der Widerspruch, den manche Menschen zwischen Feminismus und bedürfnisorientierter Mutterschaft sehen zeigt meiner Meinung nach, dass Care-Arbeit häufig nicht als etwas wertvolles angesehen wird – was ich als Denkfalle des Patriarchats ansehe.
    Insofern danke für Deine Worte!
    Nur eine inhaltliche Anmerkung – wir leben im Westen in einer grossen Stadt, und von einem Betreuungsverhältnis von 1:5 in der Kita sind wir weit entfernt – 1:7 ist hier normal (deswegen geht mein Kind zur Tagesmutter)….vielleicht tröstet es dich dass das nicht am Osten liegt sondern überall suboptimal ist!
    Herzliche Grüsse!

    • Reply Leen 1. April 2017 at 21:06

      Hallo Marie, danke für deine Worte. Oh, dann seid ihr ja auch in dieser unschönen Lage. Ich höre immer nur von meinen Freund_Innen und Bloggerfreund_Innen von traumhaften Schlüsseln 1:2 / 1:3 im Krippenbereich. Tagesmütter gibt es hier auch nicht so wirklich. Ich hoffe es wird in den nächsten Jahren etwas besser. Liebe Grüße und schön, dass ihr eine Tagesmutter gefunden habt und hoffentlich zufrieden seid.

  • Reply Kerstin Kolk 1. April 2017 at 23:49

    Hallo Leen,
    ich habe 2 Kinder und kann deine Bedenken gegenüber der Qualität der Betreuung nachvollziehen. Deshalb engagiere ichmich im Jugendamtselternbeirat (JAEB), eine übergreifende Elternvertretung aufKreisebene. Ich muss sagen, dass sich durch unser Engagement schon einiges bewegt hat. Auch in der direkten Verhandlung mit einer gewillten Einrichtungsleitung/ einem Träger kann zB durch Halbe Stellen und Umschichtung derArbeitszeiten hin zu den frequentiertesten Stunden ein mitunter sehr gut zu nennender Schlüssel erreicht werden.
    wenn dich mehr dazu interessiert, kontaktiere uns gern.
    LG

    • Reply Leen 2. April 2017 at 07:22

      Danke für deine Rückmeldung und das Angebot. Eine sehr gute Idee! Liebe Grüße

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