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Meine Schwangerschafts- und Geburtsgeschichte!

21. August 2016

Im Sommer 2015 ist unser Seidenraupenkätzchen geboren! Ich hatte eine etwas schwierigeres letztes Schwangerschaftsdrittel und eine späte Frühgeburt, von der ich euch gern erzählen möchte. Es ist meine ganz persönliche Geschichte, die meinen ganz persönlichen Weg zeigen möchte. Damit will ich niemanden angreifen sondern einfach nur erzählen wie ich mit bestimmten Situationen umgegangen bin.

Mein erste Mutprobe als Mutter

Ein wirklich einschneidendes Erlebnis geschah in meiner 29./ 30. Schwangerschaftswoche. Ich war auf meinem Abi Klassentreffen und bekam abends im Bett furchtbare Bauchschmerzen und eine darauf folgende Lebensmittelvergiftung. Ich weiß nicht was ich gegessen hatte, was es auslöste, aber es war furchtbar. Am nächsten Tag beruhigte sich mein Innenleben etwas, jedoch waren die Kontraktionen so stark, dass ich ein sehr schmerzendes Gefühl einstellte und es auf einmal wieder losging, aber dieses Mal war es anders. So stellte ich mir in meinen Kopf Wehen vor! Mein Mann fuhr mich in dieser Nacht ins Krankenhaus und ich schaffe es gerade so ins Auto und nur noch mit einem Rollstuhl in den Kreißsaal. Es war tatsächlich so, dass die Kontraktionen in mir auf die Gebährmutter übergingen, sie angesteckten und Wehen auslösten. Das soetwas passieren kann, hatte ich auch noch nicht gehört. Nun gut, ich bekam einen Tropf und wurde vor Ort von einer wunderbaren Hebamme versorgt. Ich musste später aber doch noch, auf Anweisung des diensthabenden Arztes, in die nächstgrößere Stadt verlegt werden. Ich werde nie vergessen, wie diese Hebamme mir ins Ohr flüsterte, dass ich auf meine Gefühle hören, mit den Hebammen vor Ort sprechen und nicht sofort das machen soll, was die Ärzte sagen könnten. Ich danke Dir nochmal von Herzen dafür, liebe S.! Du hast mich und meinen Mann in dieser Nacht sehr gestärkt.

Ihr fragt euch sicher wie es mit mir weiterging nach diesen unschönen Ereignissen!?

Ich musste mit dem Krankenwagen in ein Krankenhaus mit einer sehr modernen Frühgeborenenstation verlegt werden. Die Fahrt dauerte 40 Minuten. Es war so furchtbar für mich in der Nacht im Krankenwagen unterwegs zu sein und mein auserwähltes Geburtskrankenhaus verlassen zu müssen, wo meine Hebammen arbeiteten. Angekommen in der Klink wurde ich weiter mit Wehenhemmern vollgepumpmt und in einem Überwachungszimmer untergebracht. Bis zu dieser Zeit hatte ich eine komplette Normalo-Schwangerschaft. Ich hatte zwar ganz schön zugenommen und hatte Wassereinlagerungen, aber damit rechnete ich schon, denn meine Schwester sah damals genauso aus. So ist es bei uns nun mal! Nachdem ich einen Tag in diesem Zimmer lag, rund um die Uhr am CTG und mit mehreren Aufklärungsgesprächen über Kaiserschnitte, Frühgeburten und Brutkastenbabys, wurde alles immer angsteinflößender. Ich wurde sogar vom leitenden Kinderarzt besucht, der mir von 500g Babys erzählte und davon, dass ein um die 1300g/ 1400g (weiß ja keiner so genau wie das wirkliche Gewicht ist) Kind, wie meins es dann wäre, schon gute Chancen hätte. Ich antwortete und dankte dem Arzt freundlich, versicherte ihm aber, dass wir uns bei dieser Schwangerschaft nicht sehen würden und ich ihm einen schönen Urlaub und Spätsommer wünsche. Er guckte etwas verdutzt und bedankte sich und wünschte mir Glück! Ich habe tatsächlich nicht verstanden, was alle von mir wollten, denn ich spürte doch, dass bei meiner Kleinen alles ok war. Ich hatte schon die ganze Schwangerschaft einen ziemlich guten Draht zum Seidenraupenkätzchen. Sie war gesund und fit und alles andere als bereit geholt zu werden, so sagte es mir der Bauch jedenfalls und ich hatte zu der Zeit keine Wehen mehr und mein Magen hatte sich beruhigt, also warum denn die Panik bitte!?

Einen weiteren Tag später, immernoch am CTG, kamen Oberärztin, Hebammen und Schwestern an mein Bett (ich aß gerade etwas und lag auf dem Rücken), um mich sofort in den Kreissaal zu schieben, da die Herztöne des Baby kurz abfielen! Die Oberärztin sagte zu mir, dass es sofort losginge! Wie Bitte!? Was ginge jetzt los!?

Ich rief nur noch laut:“ Halt Stopp! Jetzt bewahren wir hier alle mal 5 Minuten Ruhe! Ich möchte mich auf die Seite legen und wir schreiben jetzt hier 5 Minuten das CTG weiter! Ich gehe jetzt in keinen Kreißsaal!“

Alle guckten mich verwundert an, aber hörten auf meine Worte und die Oberärztin ließ sich auf meine 5-Minuten-Ansage ein. Es gab in der nächsten Stunde keine weiteren Auffälligkeiten. In den 5 Minuten saß die diensthabende Hebamme an meinem Bett und die Ärzte überwachten mich vor ihren Monitoren, denke ich. Die Hebamme flüsterte mir in dieser Zeit zu, dass sie mich sehr mutig fände und es selten Gegenwehr gegen Aussagen von Ärzten gäben würde und sie auch noch 5 Minuten abgewartet hätte. Ich war so erleichtert, diese Worte zu hören! Einen Tag später wurde ich auf die normale Station verlegt und zwei Tage später ging ich mit rundem Bauch nach Hause. Die 5 Minuten warten haben mich vor einem Kaiserschnitt in der 30. SSW bewahrt, verrückt oder!?

Zuhause fiel mir ein, dass das Seidenraupenkätzchen einmal auf einem Ultraschall bei der Frauenärztin die Nabelschnur zugedrückt hatte oder Nabelschnurball spielte, denn dann schlug sie immer mit der Hand gegen die Nabelschnur, bis sie zurück kam. Im Krankenhaus war es sicher auch eine dieser Situation, die die fehlendes Herztöne auf dem CTG darstellten und das ganze Team in Panik versetzte.

Und nach dem Krankenhaus?

Die letzten Wochen der Schwangerschaft waren für mich wirklich noch sehr anstrengend. Ich musste ein weiteres Mal (zwei Wochen später) ins Krankenhaus, da sich mein Schleimpfropf löste und eine Schwangerschaftsvergiftung vermutet wurde, die sich jedoch nie richtig bestätigte und immer so ein „Grenzding“ blieb. Ich konnte zum Glück in das Geburtskrankenhaus meiner Wahl zurück und wurde liebevoll umsorgt, sogar von den etwas tafferen Ladies und nach ein paar Tagen durfte ich wieder nach Hause. Zuhause wäre ich sicher auch bis zum „normalen“ Geburtsbeginn geblieben, wenn ich nicht etwas bemerkt hätte, denn es tröpfelte, wenig und sehr unauffällig, aber es tröpfelte. Ich hatte ein Loch in der Fruchtblase und die Ärzte rieten dazu, eine Einleitung zu beginnen, um keine Infektionen zu riskieren, da die Schranke zum Baby durch das Loch in der Fruchtblase offen war. Ich willigte ein, doch die Einleitung ging und ging nicht voran. Mein Baby wollte sich nicht auf den Weg machen, weil es ja eigentlich noch gar nicht an der Zeit war. Auch in diesen drei Tagen wurde das Kaiserschnitt Thema angesprochen und auch in dieser Zeit sagte ich, dass ich es erst auf natürlichem Wege versuchen werde, komme was wolle! Ich zögerte die ganze Sache so gut es ging heraus und erkämpfte mir Wartetag um Wartetag. Nach drei Tagen setzen dann um 11:30 Uhr Wehen ein und 13:15 Uhr war das Seidenraupenkätzen da. Sie war etwas zart und absolut perfekt!

Warum habe ich euch das erzählt? Was hat das mit einem Aufbruch zum Umdenken zu tun? 

Ich glaube, dass eine Mutter einen sehr scharfen Instinkt besitzt, wenn wir nur anfangen würden ihn zu fühlen, zu akzeptieren und zuzulassen und wieder beginnen würden uns selbst zuzuhören! Es hätte ein Kaiserschnitt in der 30. SSW werden können, ist es aber nicht. Es hätte ein Kaiserschnitt nach Einleitung werden können, ist es aber nicht. Ich hatte ein Gefühl und habe darauf vertraut. Ich möchte diesen Weg weiter gehen und lernen auf diese Gefühle zu vertrauen und sie rechtzeitig zu spüren, nicht nur in Krisensituationen, sondern einfach im normalen Leben!Ein Leben zurück zum Gefühl, ja das wünsche ich mir!

Eure Leen

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4 Comments

  • Reply Anna 14. November 2017 at 15:28

    Wow, ich bewundere, wie du dich da durchgesetzt hast! Ich weiß nicht, ob ich mich das getraut hätte… Danke deshalb für das Teilen deiner Geschichte! Sie zeigt auf jeden Fall, dass es zu vielen Anweisungen der Ärzte noch Alternativen gibt und es sich lohnt, dem eigenen Körpergefühl zu Vertrauen!

    • Reply Leen 14. November 2017 at 21:31

      Danke Anna! Es hat mich auch Überwindung gekostet, aber ich habe es einfach ganz sicher gewusst! Liebe Grüße und bis, hoffe ich, bald mal wieder!

  • Reply Nancy 23. November 2017 at 12:27

    Großartig! Danke für diesen wunderbaren Artikel und den Einblick in Deine besondere Geschichte! Jede Frau und Mutter hat ihre Intuition, die ihr ein wichtiger Ratgeber und Wegweiser ist und trotzdem lassen wir uns davon abbringen, auf sie zu vertrauen. Toll, dass Du Dich durchgesetzt hast! Wie wichtig doch auch die Hebammen sind, sozusagen als Brücke zur Intuition. Traurig, dass die derzeitigen politischen Entscheidungen / ausbleibenden Entscheidungen, Maßnahmen gegen die Selbstbestimmung und Intuition sind. Wir Frauen sollten uns gegenseitig stärken, um dem Trend entgegenzuwirken.

    • Reply Leen 23. November 2017 at 21:05

      Danke für deine Rückmeldung und deine Worte. Ich wünsche dir eine tolle restliche Woche!

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