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Gastbeitrag – Elis(e) schreibt über…das Thema Fleisch!

22. August 2016

Zu meiner Person: Ich habe ein Staatsexamen in Sportwissenschaft, Politik und Wirtschaft (erstes Staatsexamen mit dem Schwerpunkt Ernährung). Seit Jahren arbeite und beschäftige ich mich mit Ernährung, Physiologie und Gesundheitssport. Ich betreute unter anderem ganzheitlich adipöse Kinder.

Ich habe drei Kinder und bin derzeit Studienrätin an einem Gymnasium.

Seit einem Jahr habe ich mich auf „krebsvorbeugende“ Ernährung spezialisiert.

Für Leen schreibe ich nun regelmäßig Gastbeiträge und hoffe so den Block auf eine andere Art und Weise zu bereichern. Ich hoffe es gelingt mir.

Fleisch ist mein Gemüse?

Als Mutter von drei Kindern spielt Ernährung eine zentrale Rolle. Gerne fällt der Satz Öko-Mutter, welcher mich grundsätzlich erfreut anstatt beleidigt, da jede Mutter die Ernährung ihrer Kinder kritisch reflektiert sollte, oder etwa nicht!? Leen gab mir mit ihrem Beitrag auf Fleisch zu verzichten den ersten Anstoß für den ersten Blockeintrag. Ich möchte mich aber auf folgendes beschränken:

Sollten sich Kinder mit einer Mischkost, vegetarisch oder vegan ernähren?

Damit diese Frage jeder für sich beantworten kann- ein bisschen Physiologie:

Der menschliche Körper benötigt für seine Energiezufuhr Kohlenhydrate, Eiweiß und Fette. In der Fachliteratur findet sich dazu eine Vielzahl an allgemeinen Prozentangaben. Wenn ich ehrlich bin halte ich davon nichts. Jeder Mensch ist verschieden, hat seine eigenen Bedürfnisse und Belastungen im Alltag. Aufgrund dieser Voraussetzungen sollte auch die Ernährung gestaltet werden.

Kinder haben andere ernährungsspezifische Bedürfnisse als Erwachsene.

Woraus besteht Fleisch?

Mageres Fleisch besteht z.B. aus 21% Eiweiß, 75 % Wasser und enthält höchstens 2 % Fett(ungefähr).

Eiweiß, auch Protein genannt, ist der wichtigste Bestandteil unserer Nahrung. Es dient dem Körper zum Aufbau und zur Erhaltung einer jeden Körperzelle.

Tierisches Eiweiß hat eine hohe biologische Wertigkeit, das heißt, es entspricht in seiner Zusammensetzung weitgehend der Zusammensetzung des menschlichen Eiweißes, so die allgemeine Theorie. Vegetarier und Veganer werden bei dieser Aussage protestieren. Ihr Argumentation: Eiweiße können auch pflanzlichen Ursprung haben und ebenso eine hohe biologische Wertigkeit. Auch nimmt der Vegetarier Milchprodukte und damit tierisches Eiweiß zu sich, so dass der Konsum von Fleisch nicht notwendig scheint.

Der Anteil an Kohlenhydraten ist im Fleisch zu vernachlässigen, also für unsere Frage unerheblich.

Fett ist Bestandteil der Zellwände und schützt den Körper u.a.vor Unterkühlung (bei unserem Klima ist die Fettschicht des Körpers nicht maßgeblich). Außerdem transportiert Fett Geschmacksstoffe und die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K. In allen tierischen und pflanzlichen Fetten stecken gesättigte, sowie einfach, oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren mit jeweils lebenswichtigen Funktionen.

Auch hier die Frage, lieber pflanzliches Fett oder tierisches Fett oder beides?

Kurzes Zwischenfazit: Fette und Eiweiße sind grundsätzlich unverzichtbar!

Erwachsene brauchen Eiweiße und Fette, um ihren alltäglichen Energiebedarf zu decken. Bei Kindern ist das anders. Sie brauchen Nahrung um sich zu entwickeln, geistig und körperlich und um ihre alltäglichen Körperfunktionen (Energiebedarf) zu versorgen.

Kinder die sich bedürfnisgerecht entwickeln haben ein Gespür was ihnen gut tut und was ihr Körper braucht. In unser Gesellschaft zwingen wir die Kinder schon früh dieses Gespür zu unterdrücken. Es werden Trinkmengen und Nahrungsmengen gewogen, dass Kind wird über die Sättigung hinaus gefüttert. Immer aus der Angst heraus, mein Kind ist nicht satt. Eure Kinder sind satt, wenn sie zur Seite schauen, dass Essen aus dem Mund schieben oder den Kopf wegdrehen. Euer Kind wird auch satt, wenn es ein Jahr nur Muttermilch verlangt. Vorausgesetzt es hat ein lebendiges Wesen und entwickelt sich altersgemäß. So ist es eigentlich auch mit Fleisch.

Oma sagt, dass Kind braucht Fleisch.

Oma entstammt einer Zeit in der es zum einen viel weniger Fleisch gab und zum anderen keine Massentierhaltung und die damit verbundenen Probleme. Also verzeiht ihr die Aussage.

Wie „isst“ das bei uns?

Unsere Kinder leben in einer anderen Zeit und da könnte ich als Mutter durchdrehen. In unserem Hort gibt es mindesten 3-4 Mal die Woche Fleisch zum Mittag, die meisten Kinder haben natürlich auch noch Fleisch auf dem Brot und zum Abendbrot gibt es dann natürlich nochmal was.

Das ist definitiv zu viel und nicht gesund! Hier muss geschaut werden, wie die Familie ihren Weg findet. Seinem Kind vom Mittag auszuschließen ist für mich keine Alternative. Täglich mittags Kochen, wenn beide arbeiten, kaum umsetzbar. Als mein großer Sohn kleiner war, habe ich in der KITA Schweinfleisch abbestellt. Er hatte dann fast jeden zweiten Tag ein anderes Essen bekommen – war manchmal blöd. Grundsätzliche habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass öffentliche Kindertagesstätten eher uneinsichtig in Bezug auf den Fleischkonsum sind. Die allgemeine Vorstellung das Kind bräuchte täglich Fleisch, sitzt tief. Heute muss ich meinen großen Sohn immer etwas einbremsen, dass er nicht beim Essen über Massentierhaltung und gutes und schlechtes Fleisch spricht. Wobei es ja eigentlich toll ist, dass er darüber nachdenkt. Manchmal isst er das Fleisch mit, manchmal nicht. Auf seinen Schulbroten ist immer etwas vegetarisches oder veganes, weil er es möchte. Möchte er einmal (selten) Leberwurst oder Salami, kaufe ich es (BIO).

Die beiden kleinen gehen zur Tagesmutter und die kocht und isst nur vegetarisch. Beide Kinder sind extrem gut „entwickelt“ und haben dahingehend einen viel geringeren Fleischkonsum.

Bei uns gibt es in der Woche einen Fleischtag – meistens Rind in verschiedenen Variationen (immer in Bioqualität), um meinem Mann, die Kinder und mich mit den oben beschriebenen Vitaminen zu versorgen. Das ist einfacher als permanent über Alternativen nachzudenken. Den Rest kombiniere ich vegan und vegetarisch.

Abschließendes Fazit:

Es gibt zwei Hauptgründe kein Fleisch zu essen:

  • Ethische Gründe

Empfinde ich bei Kindern, gerade kleinen Kindern als schwierig. Diese Überzeugung muss im Kind selbst heranwachsen. Den Grundstein könnt natürlich ihr legen, aber bitte keinen Zwang und keine Vorwürfe, wenn das Kind gern Würstchen zum Kindergeburtstag essen möchte, soll es das auch.

  • Gesundheit

Täglicher Fleischkonsum ist für Kinder nicht gesund und nicht notwendig. Kein Kinderarzt wird euch das ernsthaft empfehlen und wenn doch, solltet ihr über einen Wechsel nachdenken.

Wer sein Kind vegan ernähren möchte, sollte bedenken, dass einige (wenige) Vitamine nur unzureichend in Pflanzen zu finden und auch schwer zu verstoffwechseln sind. Einige vegan lebende Eltern geben ihren Kindern Nahrungsergänzungsmittel, um u.a. den Vitaminmangel auszugleichen. Um ein Kind vegane und ausgewogen zu ernähren, bedarf es einer guten Recherche.

Sein Kind ausgewogen vegetarisch zu ernähren ist möglich, aber im Alltag auch nicht immer leicht. Ernährung sollte grundsätzlich nicht in Stress ausarten, vor allem nicht bei Kindern.

Sollte Fleisch Bestandteil im Speiseplan euer Kinder sein, achtet auf jeden Fall auf Bio-Qualität. Konventionelles Fleisch ist aus gesundheitlicher Sicht (Hormone, Antibiotika…) eigentlich nicht mehr zu verantworten.

Kleine Hilfe zur Reduzierung des Fleischkonsums:

Einfach nicht mehr kaufen. Kinder steigen sehr schnell auf Alternativen um. Nachdem in der ersten Zeit ab und zu gefragt wurde, war das Interesse dann auch schon bald weg und die derzeitige Ernährungsform akzeptiert!

Das Thema ist sehr umfangreich. Dieser Blogeintrag soll lediglich eine Entscheidungshilfe sein.

Eure Elis(e)

 

 

 

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