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Begleitung durch Entwicklungsphasen

6. Juli 2017

Kennt ihr das? Eure Kinder verhalten sich ganz merkwürdig, sind besonders kuschelig oder sind nachts sogar kleine Monster!?

Dieses Verhalten beobachte ich momentan sehr stark bei uns. Mein Seidenraupenkätzchen hat mir eine Party gesprengt, zeigt merkwürdiges und ungewohntes Schlafverhalten und will überdurchschnittlich viel Schmusen. Das ist teilweise richtig anstrengend, weil ich ja auch zusätzlich hochschwanger bin.

Und dann…

Und dann, ein paar Tage später, sprudeln etliche neue Wörter aus ihr heraus, sie kann neue motorische Dinge und sie wirkt selbstbestimmter und ist wieder gefühlt ein Stückchen gewachsen. Sie ist wieder eine Stufe in ihrer Entwicklung empor gestiegen.

In dieser sensiblen Phase war es wirklich sehr anstrengend für uns. Ich hätte in solchen Momenten sagen können: „Mach es allein“ oder „Jetzt stell dich nicht so an“ oder „Du musst auch mal allein einschlafen“. Wir haben es aber nicht getan. Wir waren da und begleiteten sie. Auch wenn sie nun schon fast 2 Jahre alt ist, trug mein Mann sie durch das dunkle Zimmer, als sie es brauchte und ich schmuste mit ihr, so gut ich es, trotz dickem Babybauch, schaffte.

Als sie noch ein Baby war, wussten wir, dass jetzt dieser oder jener Entwicklungssprung oder -schub an der Reihe war und fühlten uns irgendwie sicherer dadurch, zu wissen, was los war.

Jetzt habe ich auch dieses Gespür und sagte schon zu meinem Mann, dass sie bald wieder etwas Neues können wird, weil ich ihre Vorboten mittlerweile kenne.

Was mir wichtig ist, ist, dass wir sie nicht allein lassen, sie weiter bindungs-und beziehungsorientiert begleiten, auch wenn sie kein Baby mehr ist. Attachement Parenting endet für uns nicht mit dem 1. Geburtstag des Kindes. Es ist eine Haltung, die wir leben.

Ich glaube Kinder brauchen in diesen ganz sensiblen Entwicklungsphasen Sicherheit, damit sich das Gehirn in Ruhe neu oder besser gesagt umstrukturieren kann. Wenn ich die neuen tollen Eigenschaften entdeckt habe, ist das Klammeraffenverhalten meist auch schon wieder vorüber und alles entspannt sich.

Mit diesen Beobachtungen und Erkenntnissen fällt es mir leichter, mir das “ Jetzt ist aber Schluss…du musst doch jetzt mal allein schlafen…“ einfach zu verkneifen, auch wenn es stressig ist.

Eure Leen

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3 Comments

  • Reply Phine 10. Juli 2017 at 13:25

    Liebe Leen!
    Ich bin vor einer ganzen Weile durch Zufall auf deinen Block gestoßen und verfolge ihn nun regelmäßig und habe mir auch das wunderbare Buch „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten..“ besorgt und verschlungen!
    Danke für deine tolle Buchrezension, die mir das Buch noch schmackhafter gemacht hat.

    Nun zum eigentlichen Thema :
    Meine Tochter ist dreieinhalb Jahre alt und auch bei ihr habe ich irgendwann gelernt ihre anhänglichen und etwas klammernenden Phasen als Zeichen eines neuen Entwicklungsschubes zu deuten! Wenn man viel Geduld aufbringen kann, sich dem Kind noch mehr zuwendet, dann kann man so viele wundervolle neue Dinge beobachten.
    Es kostet immens viel Kraft. Meine Tochter ist sowieso schon ein absolutes Mamakind. Wir haben das Glück, das ich als Integrationserzieherin in ihrem Kindergarten arbeiten kann und wir uns somit so oft wir wollen sehen können, ohne das sie in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist.
    Aber wenn man sich schon den ganzen Tag sieht und sie dann durch den nächsten Schub noch mehr an einem hängt, kann es schon belasten werden.
    Aber durch deinen Block und das Buch, habe ich für mich gelernt (und lerne jeden Tag mehr) Ruhe zu bewahren und jede Situation gelassen hinzunehmen. Ich rede sehr offen mit meiner Tochter und erkläre ihr auch, daß ich nach 2 Wochen Klammeräffchen an meiner Seite auch einmal 5 Minuten nur für mich brauche zum durchatmen. Und das funktioniert sehr gut.

    Auch auf kleine und große Ausraster an Weltuntergangstagen (so nenne ich die Tage an denen ein Staubkorn schon zu einem Drama werden kann ) kann ich inzwischen gelassener reagieren, vor allem durch die mich ständig begleitende Selbstreflektion. Wie wirke ich auf mein Kind, warum bestehe ich jetzt auf bestimme Handlungen…. ? So schaffe ich es nach und nach besser auf mein Kind einzugehen. Und dafür ist es meiner Meinung nach nie zu spät. Denn auch wenn ich viel Sachen auch erst jetzt für mich dazu gelernt habe, hilft es uns in unserer Mutter Tochter Beziehung weiter und auch im gesamten Familienleben.

    Übrigens konnte ich auch schon einiges für mich mitnehmen für meine Arbeit als Erzieherin.

    Vielen Dank dafür an dich!
    Liebe Grüße, Phine

    • Reply Leen 10. Juli 2017 at 20:32

      Oh Phine! Ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Ich habe richtig Tränen in den Augen. Danke für deine Rückmeldung. Das war heute genau das, was ich gebraucht habe. Liebe Grüße Leen

  • Reply Jessi aka Terrorpüppi 14. Juli 2017 at 21:44

    Nach dem Schub ist vor dem Schub scheint wohl ziemlich lange zu gehen. Meine Tochter ist jetzt 3,5 und man merkt ihr auch immer noch an, wenn was Neues im Busch ist

    Das mit der Haltung hast du gut erfasst. Wenn man die erst einmal entwickelt hat, dann sind auch „Fehler“ kein Weltuntergang, denn die Haltung allein macht uns nicht zu perfekten Eltern. Aber sie ermöglicht es uns, unser Verhalten zu reflektieren und an uns zu arbeiten. Es wachsen eben nicht nur unsere Kinder, sondern auch wir an ihnen.

    Lieben Gruß Jessi

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