beziehungsorientierte, bedürfnisorientierte und bindungsorientierte Begleitung Blog

Beziehung statt Erziehung, Bedürfnisorientierung und ich selbst!

20. November 2016

Mein Beitrag zur Unterhaltung mit meiner Freundin über einen beziehungsorientierten Weg, hat weitere Fragen meiner Leser aufgemacht.

Was ist Beziehung und der beziehungsorientierte Weg für mich?

Für mich ist ein bezeihungsorientierter Weg der Weg, der am Besten mit meinem Herzen übereinstimmt. Es gehören zwei oder mehr Menschen zu einer Beziehung, wir können es auch einfach zwischenmenschliche Beziehung nennen. Die Beziehung zwischen Michi und mir ist eine Partnerschaft und Liebesbeziehung. Die Beziehung zu unserer Tochter ist eine Eltern-Kind-Beziehung. Explizit bei Michi eine Vater-Tochter-Beziehung und bei mir eine Mutter-Tochter-Beziehung. Ich gehe heute mal nur von unserer Kernfamilie aus. Das Seidenraupenkätzchen baut natürlich auch noch weitere Beziehungen in ihrem Leben und in ihrer Umwelt auf, wie z.B. zu den Großeltern, Familienmitgliedern, Freunden, Nachbarn usw.
In unserer momentanen Situation und in dem letzen Jahr, rückte die Mutter-Kind-Beziehung und die Vater-Kind-Beziehung in den Vordergrund, weil wir als Eltern in dieser Zeit einen Säugling, der von uns abhängig war, mit Liebe und Freude in unserer Mitte wachsen ließen. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass unsere Liebesbeziehung und Partnerschaft wie vor der Geburt unserer Tochter sei. Es hat sich einfach verändert, wir haben uns verändert. In Beziehung stehen wir als Eltern jeden Tag! Das bedeutet für uns, das wir gleichwürdig sind. Mein Mann ist sehr interessiert und wir tauschen uns aus und ich lerne von ihm und er von mir und wir lernen von unserer Tochter. Wir gehen einen gemeinsamen Weg, einen beziehungsorientierten Weg. Wenn ich nicht mehr kann, weil ich ausgelaugt bin oder meine persönliche Grenze erreicht ist, übernimmt er unser Kind und beruhigt sie mit seiner unglaublich ausgeglichen Art. Egal wie anstrengend sein Tag war, er lässt es NIE an ihr aus. Beziehung heißt für uns auch, in Beziehung mit sich selbst zu sein und die eigenen Bedürfnisse nicht aus dem Blick zu verlieren. Michi fährt z.B. ab und zu raus zum Angeln, um Kraft zu tanken.

Beziehung ist für mich auch, meinen Mann um Hilfe zu bitten, wenn ich eine Pause brauche. Wir schauen auf unsere Bedürfnisse. Ich besuche Freundinnen allein, um einfach nur Leen zu sein. Kleine Inseln, um für sich zu sorgen. Viel Kommunikation und immer zu schauen, was jeder braucht, ist für mich der Schlüssel, einen Weg in Beziehung zu sich und in Beziehung zur Familie zu gehen.  Am meisten hilft es uns, über alles zu sprechen. Wir sprechen über die Arbeit von meinem Mann, wir reden über den Blog und meinen Alltag. Wir reden einfach viel, denn wenn es uns als Eltern gut geht, wird es im Alltag leichter, wie ich finde.

Was ist für mich mit Beziehung statt Erziehung überhaupt gemeint? 

Mein Gefühl sagt mir, dass ich mit der Haltung,in Beziehung zu gehen, mein Kind liebevoll begleiten und es geborgen aufwachsen sehen kann. Es ist mein Bauch, der mir das sagt. Eine Haltung zu etwas zu haben, ist mir wichtig, da es mir die Möglichkeit schafft, mit mir selbst klar zu sein. Ich bin klar mit mir und meinen Gefühlen und das strahle ich aus. Ich versuche hier nicht jede Woche andere Stile, weil ich mal in einem Buch etwas gelesen habe. NEIN,  ich habe eine Haltung, dass jeder von uns in der Familie wichtig ist und wir miteinander in Beziehung treten und wir versuchen wollen, alle Bedürfnisse wahr und ernst zu nehmen. Mit einem sehr jungen Kind ist es vom Kraftaufwand ein Unterschied, ob ich sage „Ruhe- und ich mache die Kinderzimmertür zu“ oder ob ich in den Schlaf begleite.

Es gibt leider noch im Jahr 2016 Menschen, die Eltern raten, ihre Kinder schreien zu lassen, sie allein und schreiend in den Zimmern zurück zu lassen, weil sie das „Lernen“ müssen, sich allein zu beruhigen. Ich frage mich, was sie dabei lernen sollen!? Ich finde diese Aussagen einfach nur schrecklich und es zerreißt mir mein zartes Herz. Hört auf euren Bauch und wenn es sich schlecht anfühlt, dann macht es nicht! Nehmt eure Kinder hoch, kuschelt und lasst sie nicht allein weinen. Liebe darf grenzenlos verteilt werden. Durch einen beziehungsorientierten Weg, Liebe&Geborgenheit, ein achtsames&wertschätzendes Verhalten aller Familienmitglieder, zu sich selbst und zu den anderen, wird niemand verzogen oder tyrannisch. Niemand! Wenn Pampers euch sagt, dass ihr eure Kinder mit Auszeiten in Isolation „richtig bestrafen“ sollt, euer Bauch euch aber starke Gegenwehr entgegen bringt, dann hört auf euren Bauch. Ich wiederhole mich heute: Durch einen beziehungsorientierten Weg, Liebe&Geborgenheit, eine achtsames&wertschätzendes Verhalten aller Familienmitglieder,  zu sich selbst und den anderen, wird niemand verzogen oder tyrannisch. Konflikte können 2016 anders gelöst werden.

Ich, wir als Eltern möchte einfach eine liebevolle Beziehung zu unserem Kind haben und unsere Tochter in ihren Bedürfnissen ernst nehmen. Unsere Babys brauchen einfach noch die sofortige Bedürfnisbefriedigung. Wenn das Seidenraupenkätzchen trinken wollte, habe ich gestillt. Es gab für mich da keine Uhrzeit! Das ist ein Grundbedürfnis, was ich zu erfüllen habe. Wir ließen sie nie schreien. Egal wann, sie wurde hochgenommen oder auf den Körper gelegt und musste nie alleine in Angst sein, wir waren da. Da haben wir gar nicht überlegt. In Beziehung zu gehen heißt für uns, auch zu schauen, welche Bedürfnisse unser Baby hatte und auch jetzt hat und wie wir gemeinsam einen Weg finden, dass wir alle unsere Bedürfnisse leben können und wir als Familie glücklich sind.
Wir haben ein wirklich ausgeglichenes Kind, dafür bin ich sehr dankbar. Nachts ist es aber oft sehr zehrend für mich. Ich habe viele Unterbrechungen im Schlaf. Warum ich das trotzdem noch so mitmache? Weil ich weiß, das es aufhören wird. Es kommt die Zeit. Ich schaue dann einfach am Tag, dass ich mir kleine Inseln suche und wenn es nur 20 Minuten sind, mit einer Tasse Tee oder einem Kaffee oder der Badewanne. Ich sorge für mich. Ich finde es nicht richtig, wenn ich die Schuld bei meinem Kind suche, für MEIN unerfülltes Bedürfnis nach Ruhe. Ich kann sie momentan auch nicht nachts abstillen, weil ich mir einfach da noch nicht klar bin. Wenn ich mir klar sein sollte, dann wird es auch funktionieren. Da bin ich ehrlich! Da ich noch Zuhause bin, kann ich mit meinem Bedürfnis nach Ruhe noch etwas flexibel agieren. Es gibt ja ruhigere Phasen, da stille ich weniger und dann habe ich tagsüber auch etwas mehr Kraft. Ich möchte trotzdem nochmal an einem Beispiel verdeutlichen, was ich meine.
Ein Beispiel von uns direkt:

Das Seidenraupenkätzchen hat einen Sprung und will viel Körperkontakt. Ich gebe es ihr nachts und am Morgen und zum Mittagsschlaf. Nachmittags merke ich dann, dass ich etwas Abstand brauche, um auch mal meinem Bedürfnis nach Ruhe nachzukommen, 5 Minuten zum Durchatmen mit mir selbst.

Ich muss mir jetzt bewusst machen, was bei mir los ist. Ich verstehe mein Kind, bin aber nach der Nacht auch fertig. Ich möchte nicht in die „Erziehung“ fallen und sagen: „Seidenraupenkätzchen! Nun ist aber Schluss! Du musst auch mal allein spielen und ich kann dich auch nicht den ganzen Tag tragen! Du musst dich auch mal selbst beruhigen können!“ Oder vielleicht noch schlimmer irgendwie rumbrüllen und damit meine Beziehung zu ihr an meinem unerfüllten Bedürfnis kranken zu lassen. Anstelle dieser Methode gehe ich in Beziehung zu meinem Mann. Ich erzähle ihm von meinem Bedürfnis nach Ruhe und es wird auch kein Problem damit geben, das weiß ich. Er nimmt unser Mädchen und hat seine Papa-Tochter-Zeit. Problematisch wird es, wenn er nach Hause kommt und ich ihn vollplaffe! „Ja, den ganzen Tag nehme ich das Kind! Jetzt bist du aber dran!“ Nein damit komme ich hier nicht weiter. Ist mir natürlich auch schon passiert, solche Aussage.

Wie gesagt, ich bin auch nur ein Mensch, der von der erzieherischen Gesellschaft geprägt wurde. Gewonnen habe ich meine freie Zeit ohne schlechtes Gewissen oder Streit, wenn ich mich klar äußere, was ich brauche. Um das zu können, muss ich in Beziehung zu mir selbst sein, was wiederum ein Lernprozess ist und in Beziehung und Kommunikation zu meinem Mann und zu meinem Kind. Ich finde es sehr wichtig, wieder mehr zu spüren, welche Bedürfnisse in uns wohnen und dort auch wieder anzufangen hinzuhören. Wenn ich mein Bedürfnis ernst genommen habe und mir meine 5 Minuten Ruhe gegönnt habe, kann ich mit neuer Kraft für mein Kind da sein. Mir hilft das jedenfalls sehr.

Das Beispiel verdeutlicht, hoffe ich, warum ich lieber in Beziehung gehe, anstatt rumzuerziehen, ob am Kind oder Mann. Dazu neigen wir Frauen leider auch viel zu oft. Ich habe nicht das Recht an meinem Mann rumzuerziehen, denn er gehört mir nicht. Genauso wenig gehört mir mein Kind, mal so ganz am Rande erwähnt.

Beziehung ist für uns wertschätzend und achtsam. Niemand ist mehr oder weniger wert. Wir reden so miteinander, wie wir es auch selbst für uns gern hätten. Unser Kind wird nicht belehrt oder mit dem DuDu-Finger ermahnt. Wir reden ganz viel, auch mit ihr, natürlich altersgerecht. Ich frage sie, ob sie etwas möchte oder nicht. Und sie antwortet mir immer! Sie sagt uns mit 15 Monaten JA und NEIN und das akzeptieren wir dann. Das ist für uns Beziehung statt Erziehung. Ich ziehe nicht von meiner Seite an ihr oder an meinen Mann, damit sie das tuen, was ich will. Nein, wir reden und gucken, womit es uns allen gut geht.

Das ist manchmal mühsam und es dauert auch oft einfach länger, also z.B. die Windel einfach „gewaltvoll“ anzuziehen, anstatt zu warten bis das Kind bereit dafür ist. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass es so für uns richtig ist. Es ist nicht schön, gegen seine Gefühle zu leben, weil „man“ erzieherische Glaubenssätze leben soll, die gesellschaftlich leider noch zu stark verwurzelt sind. Ich höre auf keine erzieherischen Ratschläge mehr. Ich gehe mit meiner Familie und den Menschen in meiner Umgebung und auf dem Blog in Beziehung! Ich mache mich auf den Weg zu meinem persönlichen Aufbruch zum Umdenken. Ich freue mich, wenn jemand ein Stück mit mir, mit uns geht und wir Beziehung leben, anstatt uns von alten Leitsätzen leiten und irre machen zu lassen.

Wie geht es euch mit dem Text? Konnte ich es etwas deutlicher machen was Beziehung statt Erziehung für uns bedeutet?

Eure Leen

Was ich noch abschließend dazu sagen möchte ist, dass ich großes Glück habe, einen Mann zu haben, der hier einfach da und präsent ist. Wenn ihr eine Freundin oder einen Freund habt, die_der die Kinder allein erzieht, dann schaut bitte hin und seid da! Bietet doch mal an, die Kinder für einen Spaziergang zu nehmen oder einen Einkauf zu erledigen, damit das alleinerziehende Elternteil auch mal eine Möglichkeit für eine Insel hat. Das war mir in
diesem Zusammenhang heute wichtig zu schreiben.

You Might Also Like

2 Comments

  • Reply Regenbogenzauberstaub 18. Januar 2017 at 23:54

    Wundervoll…genau so ist es bei uns auch. Ich bin auch Erzieherin und beende im März mein Kindheitspädagogik Studium. 🙂 meine kleine Zwetschge ist 5 Monate und es war ein langer weg und kampf endlich auf sein Gefühl hören zu können und es sich selbst zu erlauben. Viele wundervolle Bücher (zb. „artgerecht“❤ ) und tolle Gespräche halfen mir dass es gut ist wie ich fühle und es ok ist dass unser Baby nicht weinen muss wenn es nicht will aber darf wenn es das braucht auf meinem arm (zb. nach einer Impfung wenn es hieß sollen wir ihr glukose geben damit sie aufhört). Mein mann ist genau so fur uns beide da und wir geben einander den raum und sprechen viel und gerne. Ich habe Gott sei dank seit 1 Woche nach der Geburt voll und ganz auf mich gehört und sogar der Hebamme gesagt dass es dann genug Hilfe war (zb. Stillabstände, Schnuller in den mund drücken). Das was aber noch lange angedauert hat war die viele Forschung ob es wirklich ok ist. Ich hatte das Gefühl ich müsste anderen mit Argumenten beweisen, dass mein weg ok ist. Eine Freundin (du ihr Kind schreien lässt) sagte mir letztens ich sei ganz anders geworden als wir mal werden wollten-> frei, unabhängig und taff. Und jetzt bin ich eine Glucke, eine Übermutter. Und das war der Moment als ich das erste mal sagte ja ich weis und ich liebe es. Ich kann nicht anders und ich bin jeden Tag glücklich so. 🙂 dein blog Eintrag gibt mir nochmal ein weiteres Stückchen kraft so weiter zu machen. Danke 🙂

    • Reply Leen 19. Januar 2017 at 11:24

      Ach Danke du Liebe! Ich freue mich sehr über deine Rückmeldung und wünsche dir weiterhin alles Liebe und Schöne auf deinem Weg! Ihr macht das sicher ganz wunderbar! Liebe Grüße Leen

    Leave a Reply