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Blogparade – Ich bin anders

28. Februar 2017

Als ich die Blogparade von Mami anders las, hatte ich Lust mitzumachen. 

Tja, anders fühle ich mich eigentlich schon immer in meinem Leben. Ich war schon früh besonders emotional, sehr nachdenklich und sozial. Ich mache mir so unendlich viele Gedanken über Menschengefüge, Konstellationen und Situationen, einfach über alles mögliche und die Welt. Ich könnte auch sagen, dass ich zum Zerdenken neige. 

Seit ein paar Monaten beschäftige ich mich mit der Hochsensibiliät und habe nun auch endlich ein Wort für mich. Ich bin hochsensibel. Ich freue mich sehr darüber, weil ich jetzt auch online Menschen kennenlerne, denen es so geht wie mir und ich die Möglichkeit zum Austausch finde. 

Ich habe mich viele Jahre unverstanden und oft fehl am Platz gefühlt. In der Schule hatte ich so meine Probleme, in Cliquen lief es mal besser und mal schlechter. Oberflächlich kam ich klar, aber tiefe Freundschaften hatte ich wenige. Diese bestehen aber glücklicherweise heute noch. 

Im sozialen Leben läuft es heute gut. Ich habe das Glück, wundervolle Freunde im Leben gefunden zu haben. Viele Freundschaften bestehen seit Jugendzeiten und andere kamen neu dazu. 

Es fällt meinen Freunden aber oft schwer, meine Vielschichtigkeit zu verstehen bzw. nachzuvollziehen. Ich glaube, es ist nicht so einfach, mit mir befreundet zu sein. Ich bin eben speziell und habe so meine Besonderheiten.

Dann wurde ich Mutter

Als ich Mutter wurde hat sich alles verändert. Ich ging einen anderen Weg. Ich machte noch mehr das, was mein Herz mir sagte. Ich nahm mein Baby mit in mein Bett, stillte bzw. stille immer noch. Wir tragen unser Kind durch die Welt und wurden dafür in unserem kleinen Ort schon oft schräg angesehen. Wir wohnen nicht in Berlin. Wir wohnen in der Provinz in Sachsen-Anhalt. Zu diesen ganzen Gegebenheiten sind wir, glaube ich, die einzigen im Ort, die krippenfrei leben. Wir machen einfach das, was sich für uns richtig anfühlt und nicht das, was „man machen sollte“. Bei uns ist es ganz normal sein Kind mit einem Jahr oder auch eher in die Krippe zu bringen. Ihr lacht jetzt sicher, wenn ihr anderes gewohnt seid, aber für uns als Familie, in diesem regionalen Setting, ist das echt etwas Besonderes, etwas Anderes so wie wir es machen. 

Durch meine besondere Feinfühligkeit spüre ich oft kleine Gesten oder Äußerungen sehr intensiv. Ich kann zwischen den Zeilen lesen, Gefühle in Menschen lesen. Ich bekomme einfach unterschwellig viel mit. So war das schon immer. Ich weiß, wer mir wohlgesonnen ist und wer nicht. Einfach, weil ich das spüren kann. Dieses Gespür ist auch nicht immer leicht zu verdauen, wenn ich genau weiß, dass es z.B. „gerade nicht ok so ist“, ich aber ein „es ist ok so“ gesagt bekomme. Aber da muss jeder für sich schauen. Ich merke es jedenfalls meistens, wenn doch nicht alles ok ist.

 Ich kann schlecht mit unsensiblen Menschen befreundet sein. Ich halte viele Verhaltensarten der Menschen nicht aus, wenn z.B. Kinder zur Schnecke gemacht werden. Deshalb verlasse ich auch meine „Freunde“. Ich habe jetzt das Alter und den Reifegrad, mich nur noch mit Menschen zu befassen, die mir gut tun. Mit denen ich auf einer Welle surfen kann, gleich schwinge. Das musste ich aber erst lernen. Meine kostbare und wenige Freizeit nutze ich nur noch für Menschen, die mir gut tun. Das war ein langer Prozess. 

Trotz allen Besonderheiten habe ich hier glücklicherweise eine tolle Familie und wunderbare Freunde, die uns und unsere Einstellung akzeptieren und respektieren. Darüber bin ich mehr als glücklich.

Sehr zuversichtlich bin ich auch über meinen neu wachsenden Online-Clan aus bindungs- bedürfnis- und beziehungsorientierten Eltern und Hochsensiblen, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das fühlt sich einfach nur so wunderbar an, verstanden zu werden, sich über das Langzeitstillen auszutauschen, über die Hochsensibilität zu philosophieren ohne ein Blatt vor den Mund nehmen zu müssen. Ich bin sehr dankbar, trotz meines „anders Seins“, sich auf so unterschiedliche Weisen eingebunden zu fühlen. 

Anders zu sein muss nicht schlecht sein. Es ist für mich eine Chance, bei mir selbst zu sein, Authentizität zu üben und mich weiter fühlen zu lernen. 

Eure Leen

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