beziehungsorientierte, bedürfnisorientierte und bindungsorientierte Begleitung Blog

Das Kind hat Kummer – Ich bin da und begleite statt abzulenken

28. April 2017

Momentan hat unser Seidenraupenkätzchen wieder viele Dinge zu verarbeiten, neue Zähne kommen auch und eine Erkältung ist am Abklingen. 

Ihr Papa ist momentan sehr sehr wichtig für sie und sie kuschelt sich in jeder freien Minute bei ihm an und hängt sich um seinen Hals. Das ist wirklich herzerwärmend zu sehen, wie sehr sie ihn liebt und auch braucht.

Eine Situation, die am Wochenende sehr schwer für mich war:

Mein Mann hatte am Sonntag Vormittag einen Termin und wir wissen, dass unser Seidenraupenkätzchen momentan große Probleme damit hat, sich von ihrem Papa zu trennen. Er hatte kurz den Gedanken sich rauszuschleichen und ich sollte sie ablenken. 

Ist eine Ablenkung durch den Fernseher oder Bücher eine Lösung!?

Für mich nicht. Wir entschieden uns dazu, dass er sich verabschiedet, so wie es sich auch gehört. Wenn wir Erwachsenen uns verabschieden, sagen wir uns auch: „Wiedersehen“ oder „Wir sehen uns später“ . Wer möchte denn schon in die Küche gehen und merken – „Huch, mein Mann ist weg!? Wo ist er? Hat ihn der Erdboden verschluckt!?“ 

Nein so etwas machen wir Erwachsenen nicht, aber wir machen es regelmäßig mit unseren Kindern. Wir lenken sie ab, verschwinden einfach und lassen unsere Liebsten mit ihren Gefühlen allein. Das ist nicht, was ich mir unter einer beziehungsorientierten Begleitung von Kindern vorstelle, da bin ich ganz ehrlich. 

Für mich ist das keine Lösung, weil ich finde, dass Kinder lernen dürfen mit ihren Gefühlen umzugehen. Es fällt mir als hochsensible Mama sehr schwer den Schmerz meiner Tochter auszuhalten. Aber ich mache es trotzdem, weil Gefühle wie Wut, Angst, Schmerz und Traurigkeit gefühlt werden dürfen, genau so wie Freude und Glück. Das Leben ist mit allen Facetten bestückt und wann sollen sie es denn sonst lernen, wenn nicht von uns und mit uns!? 

Wir gingen somit zur Tür, verabschiedeten uns und sie weinte und weinte und weinte und schrieh und weinte. Sie schmiss sich auf den Boden, schrieh und weinte aus Trennungsschmerz und begann vor lauter Weinen und Schreien zu husten und sich halb zu übergeben. 

Das war richtig schwer für mich, aber ich habe sie begleitet und gesehen! 

Ich habe mein Kind in ihrer Traurigkeit begleitet und sie nicht abgelenkt. Ich habe mich auf den Fußboden gesetzt und ihre Gefühle benannt und gespiegelt. Ich blieb ganz ruhig und sagte Dinge wie: „Du fühlst dich jetzt ganz traurig, dass Papa gegangen ist – Das verstehe ich mein Schatz! Ich bin auch traurig!“. Anfassen durfte ich sie gar nicht. Sie war so sehr in Traurigkeit, dass es einfach heraus musste. Das Ganze dauerte 25 Minuten. Ich saß einfach da und spiegelte immer wieder ihre Gefühle und bot ihr an, in meine Arme zu kommen. Jeder Versuch, sie von mir aus zu berühren, scheiterte. Ich saß es aus, war aber da und sichtbar. 

Von einer auf die andere Sekunde änderte sich alles…

Als sie sich ausgeweint, ausgeschriehen und es verarbeitet hatte, stand sie auf und lief in meine Arme. Dann ließ sie sich in aller Ruhe von mir Trösten und war den ganzen Vormittag ausgeglichen und alles war wie immer.

Am Vormittag lasen wir dann noch das Buch: Der Hummer hat Kummer von Tanja Jacobs und Susanne Weber aus dem Oetinger Verlag. Ich mache dann immer genau das, was die Meerestiere mit dem traurigen Hummer machen, mit meiner Tochter. Sie liebt dieses Buch und die Umarmungen und Kuscheleinheiten beim Lesen. 

Resümee der Verabschiedungssituation

Das Gelingen des Vormittages lag, glaube ich, daran, dass sie die Möglichkeit hatte, ihre Gefühle zu fühlen. 

Für mich war die Erkenntnis besonders groß, weil ich mir in dieser Situation wieder bewusst gemacht hatte, wie wichtig solche Erfahrungen für Kinder sind und wie sehr ich mich selbst reflektieren muss, nicht in Ablenkungsstrategien zu fallen oder es abzutun mit: „Papa kommt doch wieder“ oder „Ist doch nicht so schlimm“.

  Gefühle dürfen gefühlt werden

Welch große Freude habe ich oder besser wir als Eltern doch, wenn wir später sagen können, dass wir es ermöglicht haben, unserer Tochter den Zugang zu ihren Gefühlen frei zu geben und sie ihn für sich finden konnte. Das ist ein gutes und großes Ziel und dieser Beitrag hilft mir, mich daran zu erinnern und weiter auf dem Weg zu bleiben, auch in den kommenden schwierigen „Trotzphasen“ und der Kleinkindphase. 
Eure Leen 

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2 Comments

  • Reply Wiebke (verflixter Alltag) 8. Mai 2017 at 10:15

    Sich einfach davon schleichen, finde ich auch ganz furchtbar. Das war ja auch ein großes Thema bei uns in der Eingewöhnung im Kindergarten.
    Schön, dass Du Dich an der Herzpost-Aktion beteiligt hast!
    LG Wiebke

    • Reply Leen 8. Mai 2017 at 21:17

      Danke Wiebke und ja ich mache echt gern jeden Monat mit. Das ist wirklich eine schöne Aktion. Ich mag es sehr! Ganz liebe Grüße Leen

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