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Die Betreuung der Kinder – ein Thema für sich!!!

19. Juni 2017

Seit einigen Monaten lese ich viel zum Thema Selbst- und Fremdbetreuung, Erziehung und Begleitung von Kindern. Viele Menschen diskutieren online darüber und viele Meinungen prasseln aufeinander. Es scheint gerade eine wichtige Diskussion zu sein. Dazu kommen diverse Vorfälle in Kitas deutschlandweit, die die Emotionen sprudeln lassen. Hierzu habe ich mir ein paar Gedanken gemacht.

Das Wort Fremdbetreuung nutze ich so gut wie gar nicht mehr. Die von mir so geschätzte Nora Imlau erwähnte letztens in einer Unterhaltung, dass dieses Wort ja symbolisiere, dass ich mein Kind zu einer fremden Person geben würde. Das ist jedoch nicht der Fall, denn es hat eine Eingewöhnung stattgefunden und Kind und Fachkraft werden über die Zeit vertraut und lernen sich kennen. Ich hatte vorher nicht darüber nachgedacht, welche Macht dieses Wort eigentlich hat. Jetzt nenne ich es außerfamiliäre Betreuung oder familienergänzende Betreuung und es fühlt sich deutlich besser an.

Viele Kinder werden täglich durch Fachkräfte betreut, z.B. durch Tagesmütter und Erzieher*innen oder wie ich es gern nenne: Kindergärtner*innen, die zu sekundären Bezugspersonen werden sollten, werden können oder bereits geworden sind. Also ist es tatsächlich keine „Fremdbetreuung“ mehr.

Spannend ist, dass Kinder teilweise bis zu einem Jahr brauchen, um sich wirklich an ihre Sekundärpersonen zu binden. Diese Äußerung hörte ich erst kürzlich von Nicola Schmidt vom Artgerecht-Projekt. Es ist also wirklich zu überlegen, wie ich die Eingewöhnungszeit in der Kita plane und auf meine familiären Bedürfnissen und Gegebenheiten anpasse, mit diesem Wissen im Hinterkopf.

Kita vs. Zuhause

Mir ist wichtig zu sagen, dass es in Ordnung ist, wenn Eltern ihre Kinder in eine Kita oder zu einer Tagesmutter geben, auch wenn diese „erst im Krippenalter sind“. Es ist aber auch in Ordnung, wenn Eltern ihre Kinder zuhause begleiten. Jede Familie findet den richtigen Weg für sich, der zum Lebensmodell passt.

Gerade entflammen immer wieder Diskussionen im Netz über die Kita-Eltern vs. Zuhause- Eltern, über die Betreuung von Kinder unter 3 Jahren vs. über 3 Jahren und über Erziehung vs. Beziehung.

Das ist alles ok und es soll im Leben auch gern und gut diskutiert werden, dafür bin ich! Es ist wichtig in einen Austausch zu gehen, verschieden Meinungen und Weg zu sehen, zu leben und zu akzeptieren. So ist das Leben, wir sind verschieden und haben unterschiedliche Lebensmodelle, unterschiedliche Wege, unterschiedliche Haltungen.

Zur außerfamiliären frühen Betreuung z.B. gibt es bereits tolle Beiträge, wie diesen vom Gewünschtesten Wunschkind. Dazu möchte ich heute nicht schreiben.

Dann gibt es aber auch Meldungen, wie gerade in Berlin, die mich sehr mitnehmen. All unsere Kinder verdienen den nötigen Respekt, wertschätzend in Kita und natürlich auch zuhause begleitet zu werden.

Es darf 2017 nicht mehr sein, dass Kinder in öffentlichen Einrichtungen misshandelt werden. Gewalt ist nie eine Lösung. Es ist wichtig, dass online auch solche Themen verbreitet werden, um zu sensibilisieren, wach zu rütteln.

Unsere personellen Gegebenheiten in Kitas sind nicht immer perfekt. Es gibt viele Fachkräfte, die trotz der Umstände ihr Bestes geben und das auch orientiert am Kind.
Es ist aber nicht in Ordnung, gegen die Rechte der Kinder zu verstoßen, ob zuhause oder in Kitas. Auch nicht, wenn ich überfordert bin, überarbeitet bin, überlastet bin. Das Kind ist nicht dafür verantwortlich. Es ist nicht in Ordnung Kindeswohlgefährdung abzutun oder es mit Aussagen wie: „Das hat uns auch nicht geschadet!“ zu beschönigen. Solche Gegebenheit wie in Berlin müssen ernst genommen werden.
Da spiele ich nicht mit! Es gibt Grenzen. Das ist meine Grenze!

Gewalt an Kindern ist solch eine Grenze für mich, die weder unter den Teppich gekehrt, noch abgetan werden sollte.

Wir Eltern wollen doch alle nur das Beste für unsere Kinder! Dazu zähle ich einfach auch eine gewaltfreie Betreuung unserer Liebsten. 

Wir sind Eltern, die mit unserem Kind krippenfrei leben. Das mache wir, weil wir uns dafür entschieden haben. Punkt! Genauso wenig ist eine Familie irgendjemandem Rechenschaft schuldig, welche ihr Kind in eine Kita gibt. Wenn ich mich als Familie für den Weg entscheide, z.B. meinen Nachwuchs in eine Krippengruppe zu geben, dann möchte ich mein Kind gut betreut wissen. Ich nehme an, das  wünscht sich jede Familie, eine liebevolle Begleitung des Kindes und eine glückliche Zeit in der Einrichtung.

Anstatt sich gegenseitig online und im realen Leben anzuprangern und zu verurteilen, ob zuhause oder in Kitas eine bessere Betreuung gegeben wäre, sollten wir das Wohl unserer Kinder im Auge behalten und uns gemeinsam für besser Betreuungssituationen, deutschlandweit, stark machen. Ich finde es immer noch, und das schon seit Jahren, so ungerecht, dass die Betreuungsschlüssel so unterschiedlich sind. Krippengruppen mit einem Schlüssel von 1:2 / 1:3 ( eine pädagogische Fachkraft auf 2-3 Krippenkinder) sind in einigen Bundesländern gegeben. Leider gibt es diesen Schlüssel nicht in meinem Bundesland, was ich so sehr schade finde.

Selbstbildung und Bauchgefühle

Unsere Bauchgefühle können uns täuschen, was mir erst einmal so richtig klar wurde, als ich letztes Jahr den Artikel vom Wunschkindblog las. Ich fing an mehr zu lesen und mich auf diesem Themengebiet zu bilden.

Wir haben die Möglichkeit zu recherchieren und zu lesen, wir haben einen Zugang zu Informationen, zur Bildung, denn mit dem neuen Auto oder der Anlage können wir uns auch stundenlang beschäftigen und Fakten dazu heraussuchen. Theoretisch könnten wir diese Recherche auch über Kita-Konzepte, Bauchgefühle, frühe Fremdbetreuung und diverse andere Themen rund um das Thema Kinder durchführen. Wir können uns zusammenschließen und für unsere Kinder an Konzepten, Denkmustern und Haltungen arbeiten.

Meine Wünsche

Mein Wunsch wäre es, sich die Situation in Kitas mit offenen Augen anzusehen und nicht wegzusehen, z.B. auch, wenn ihr an euren Kindern Auffälligkeiten bemerkt. In den konstruktiven Austausch mit euren Kindergärtner*innen zu gehen ist von Vorteil, nicht nur wenn es schlecht läuft sondern auch in guten Zeiten. Dieser Austausch stärkt auch eure Bindung zu den pädagogischen Fachkräften, ganz nebenbei. Die Kindergärtner*innen z.B. sind mit uns in Betreuungspartnerschaft. Wir sind Partner*innen.  Zusammenarbeit statt Hetze und Verurteilungen, Offenheit, eine liebevolle Begleitung, Achtsamkeit, Wertschätzung, Bedürfnisorientierung, stabile Beziehungen und Bindungen sind Dinge, die ich mir für unserer Kinder wünsche.

Eure Leen

Bildquelle Pixabay

 

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