beziehungsorientierte, bedürfnisorientierte und bindungsorientierte Begleitung Blog

Ein Text vom Ende einer Stillbeziehung.

3. Mai 2017

Der Anfang… 

Es war anfänglich ein beschwerlicher Weg mein 2500g Baby an die Brust zu führen, denn sie hatte nicht die Kraft die Brustwarze zu halten. Ich pumpte einige Wochen meine Milch ab und gab sie ihr tröpfchenweise mit der Flasche. Zum eigentlichen Geburtstermin war sie stark genug, selbst an meiner Brust zu trinken. Ich stillte und wir gaben abgepumpte Milch aus der Flasche. Ein paar Tage half ein Hütchen und dann brauchten wir bald keine Hilfsmittel mehr, weder Hütchen noch Flasche. 

Die Stillzeit…

Nach den Startschwierigkeiten und vor meiner jetzigen Schwangerschaft war fast alles komplikationslos. Sie trank gut und schnell und ich hatte nur einen Milchstau in der Anfangszeit. Als die Beikostzeit kam, wollte sie nie Brei. Sie aß ab und zu etwas Fingerfood und wurde von mir fast voll gestillt, bis sie etwas über ein Jahr alt war. Sie war eines dieser Kinder, die gern Milch tranken und es auch als völlig ausreichend empfanden.

Nun wird sie im Sommer 2 Jahre alt und ich sehe ein selbstbestimmtes Kleinkind vor mir. Bei uns läuft es so, dass ich sie frage, ob sie etwas möchte. Ich frage sie keine 100 Sachen, denn das können Kleinkinder in diesem Alter nicht entscheiden. Ich lasse ihr aber oft die Wahl zwischen z.B. zwei Möglichkeiten. Eine Fragekombination wäre „Möchtest du eine Brust trinken oder lieber ein Glas Wasser?“. Diese Möglichkeiten beantwortet sie mir. So ist das jetzt auch mit dem Essen, Trinken und Spielen und so war es eben auch mit dem Stillen. 

Von einem auf den anderen Tag hat sie sich selbstbestimmt abgestillt.



Rückblickend auf die Abstillzeit…

Ich hatte ein hartes erstes Schwangerschaftsdrittel. Unsere Tochter hatte einen Entwicklungssprung, ich war gleichzeitig sehr müde und oft krank und sie wollte die halbe Nacht an die Brust. Ich hielt durch, weil ich gern stillte, auch wenn es zu dieser Zeit wirklich sehr anstrengend für mich war. Alle redeten vom Abstillen, bis auf Kathrin und Andrea, die mir mental zur Seite standen und auch Ahnung hatten, was sie erzählen. Ich brauchte kein Blabla, ich brauchte echte Gespräche und Erfahrung und das hatten diese Frauen. Ich kannte in meinem Freundeskreis niemanden, der so lange stillte, wie ich. 

Das zweite Drittel der Schwangerschaft war einfach nur herrlich. So hätte es noch länger bleiben können. Stillen zum Einschlafen, ab und zu am Tage und alles war einfach nur relaxed und kuschelig.  Auch da fragte ich immer: „Möchtest du noch eine Brust zum Einschlafen trinken?“ Sie antwortet immer mit JA.

Seit Tagen ist aus dem JA ein NEIN geworden. Sie hat für sich entschieden, dass sie keine Mamamilch mehr trinken möchte.

Nun will sie nur noch kuscheln, aber was heißt schon „nur noch“. Ich bin echt sehr froh, dass sie ihre Entscheidungen und Bedürfnisse so gut für sich äußern kann.
Gleichzeitig bin ich aber auch traurig. Es ist ein Abschied, denn ich habe im April 2017 das letzte Mal meine Tochter gestillt. Ich hatte mir schon ausgemalt, wie ich Tandemstillmama sein werde. Mein Baby ist ein Kleinkind geworden und entscheidet immer mehr für sich selbst. Unsere Bindung darf sich weiten, wie ein Gummiband. Es wird immer ein Stücken weiter werden, ohne jedoch zu reißen.

Es ist sehr spannend, diesen Prozess zu beobachten und zu begleiten.

Ich habe sie sehr gern gestillt und werde es auch vermissen. Es war eine wunderschöne erste Stillerfahrung, die ich niemals vergessen werde und die mich unwahrscheinlich selbstbewusst gemacht hat.

Ich freue ich schon auf die nächste Stillbeziehung zu meinem Baby, welches im Sommer zur Welt kommen wird.

Eure Leen

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7 Comments

  • Reply Kathrin 3. Mai 2017 at 20:09

    Liebe Leen,
    ich hab euch das von Herzen gewünscht. Diese Stillbeziehung und ihr Ende – das wird für immer Teil eurer Biografie sein.

    Du hast deinem Kind ein wunderbares Geschenk gemacht. Denn neben dieser Exkulsivzeit und dem Aufsaugen deiner Liebe, hast du ihr das Vertrauen geschenkt, diese Entscheidung selbst treffen zu können. Und genau das hat sie getan. Das wird sie stärken und wer weiß, vielleicht hat sie ja – wohlwissend, dass da bald jemand kommt – den Platz auch nun einfach geräumt. Egal warum und wieso und weshalb: auch sie hat dir ein Geschenk gemacht. Denn nach einer wunderschönen Stillbeziehung konntet ihr friedlich und glücklich „Auf Wiedersehen“ sagen. Das macht euch beide sehr reich. Und ich finde das ganz, ganz, ganz großartig und ermutigend.

    Danke, dass du deine Erfahrungen mit anderen Frauen teilst. Sie ist so wichtig! <3

    • Reply Leen 3. Mai 2017 at 20:48

      Ich habe Tränen in den Augen. Danke für deine Worte und danke für deine Rat und Begleitung in meiner „Stillkrise“. Du bist so toll

  • Reply Lea 4. Mai 2017 at 12:26

    Liebe Leen,

    herzlichen Dank Dir für diesen tollen Artikel. Genau aus dem Grund merke ich, dass ich noch nicht bereit für unser Stillende bin, auch wenn es nur um das nachmittägliche Stillen geht aufgrund der Eingewöhnung bei der Tagesmutter. Weder ich, noch der Lütte!

    Ganz viel Liebe an Dich

    Lea

    • Reply Leen 5. Mai 2017 at 08:09

      Hallo Lea! Danke für deine Rückmeldung. Ja, so lange es für euch beide passt, ist es doch wunderbar so. Ich wünsche dir noch eine schöne und angenehme Stillzeit. Ganz liebe Grüße Leen

  • Reply Mother Birth 6. Mai 2017 at 11:03

    Liebe Leen,

    es ist so schön zu lesen, dass ich dir zur Seite stehen konnte, so dass ihr für euch ein selbstbestimmten Abstillprozess haben konntet. Deine Tochter hat sich selbst entscheiden. Das ist wundervoll. Ohne Druck und Fremdbestimmung von außen.

    Ich bin gespannt, ob sie doch noch mal Interesse an der Brust findet, wenn dein Baby da ist und du es stillen wirst. Vielleicht wirst du unerwarteter Weise dann doch noch mal vorübergehend eine Tandemstillmama 😉 …

    Ganz liebe Grüße
    Mother Birth

    • Reply Leen 6. Mai 2017 at 12:16

      Danke meine Liebe und ich bin auch gespannt. Ich drück dich Leen

  • Reply Eure Herzensposts im Monat Mai (#Herzpost) - Verflixter Alltag - Der kuriose Mama-Blog 7. Juni 2017 at 14:26

    […] Aufbruch zum Umdenken: Ein Text vom Ende einer Stillbeziehung […]

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