beziehungsorientierte, bedürfnisorientierte und bindungsorientierte Begleitung Blog

Einschalfbegleitung – Horror oder Chance!?

7. Juni 2017

Das Thema Einschlafbegleitung beschäftigt mich nun fast schon 2 Jahre lang. Momentan lese ich in meinen sozialen Netzwerken Mamas, die am Rande ihrer Kräfte einschlafbegleiten und sich nach ihrer Abendzeit sehnen.

Es scheint eine große Spannweite zwischen „Es kotzt mich alles nur noch an“ und „Ich nehme es, wie es ist“ zu geben.

Die meisten Elternblogger*innen und Eltern, von denen ich gelesen und gehört habe, sind mittlerweile auf dem Stand, dass keine Ferbermethoden genutzt werden. Das finde ich ganz ehrlich richtig gut, denn damit ist unseren Kindern nicht geholfen. Jedoch ist das Klagen groß und es wird an dem Weg, der bindungs-, beziehungs- und bedürfnisorientierten Einschlafbegleitung auch oft gezweifelt. Ich verstehe das, denn ich hatte auch solche Gedanken und harte Phasen.

Ich hatte Abende, an denen ich nicht das Bett verlassen konnte und das waren nicht wenige. Ich ärgerte mich, dass ich das Bett „hüten musste“ und nichts von meiner abendlichen Zeit hatte. Wer intensiv einschlafbegleitet weiß, wovon ich spreche. Doch diese Gedanken sind nicht länger existent.

Was hat sich geändert, dass ich entspannt darüber schreiben kann!?

Ich bin ganz ehrlich! Nichts, außer meine Gedanken, mein Mindset, wie es jetzt immer so schön heißt. Als ich anfing zu akzeptieren, dass dieses Kind einfach so extrem steinzeitmäßig aufgestellt war, immer die Sicherheit einer Bindungsperson in der abendlichen Zeit brauchte und ich (vorrangig ich, es gingen aber auch phasenweise andere vertraute Personen) da sein musste, wurde alles irgendwie entspannter.

Ich schaute in dieser Zeit Serien, las auf dem Kindl oder entspannte einfach nur im Familienbett. Ich hatte mir grundsätzlich schon längere Zeit vorgenommen, gelassener zu werden und im Hier und Jetzt zu leben. Das war meine persönliche Aufgabe und durch diese Einschlafsituation schnallte ich es endlich – Die Einschlafbegleitung war das Hier und Jetzt und ich konnte an dieser Gelassenheit arbeiten. Was für eine große Erkenntnis für mich.

Als ich es endlich akzeptierte, entschleunigte sich die ganze Abendsituation, weil ich mich entspannte. Ich war in Gedanken nicht mehr bei dem kommenenden Abend, sonder ich war einfach im Bett. Ich organisiere den Tag etwas anders und sehe zu, dass ich abends nichts mehr zu tun habe, außer Dinge, die ich mag und möchte.

Nachdem sie, jetzt wirklich fast immer, entspannt eingeschlafen ist, arbeite ich am Blog, lese oder schaue Serien auf Netflix oder Prime. Ich mag die Bettzeit.

Ich kann jetzt auch aufstehen und runter gehen, aber wichtig ist, dass sich mein ganzes Bild auf diese Situation pisitiv verändert hat. Ich habe es angenommen, als Teil unseres persönlichen Familienlebens akzeptiert und mache das Beste daraus. Es ist einfach ein Perspektivwechsel von „Mir wird etwas genommen und du bist Schuld daran, Kind“ zu „Ich nutze die Zeit für mich als Qualitätszeit und begleite dich dazu noch nach meiner persönlichen inneren Haltung“. Das zweite Mindset ist für mich doch eine totale Win-Win-Situation.

Für mich ist es wirklich nicht mehr schlimm und ich weiß auch, dass sie nicht immer so „klein“ sein wird und ich nicht immer so „intensiv“ gebraucht werde. Es ist einfach ein Teil unseres Lebens und ich akzeptiere und lebe ihn in vollen Zügen, wie es nun mal gerade ist. Es ist, wie es ist und es ist in Ordnung so.
Eure Leen

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10 Comments

  • Reply D 7. Juni 2017 at 19:50

    Ja! Uns geht es auch so! Mit Gelassenheit und die Zeit nutzen zur eigenen Entspannung, kleines Schläfchen. Wenn ich ungeduldig bin, dauert es meist länger bis die Kinder zu Ruhe finden. Wenn ich mich auch entspanne und da bin geht’s oft viel schneller und einfacher.
    Viele Grüße

    • Reply Leen 7. Juni 2017 at 20:51

      Diese Gedanken musste ich erst einmal für mich finden, aber jetzt bin ich sehr froh! Liebe Grüße zurück!!!

  • Reply Isabel Müller 7. Juni 2017 at 21:07

    Das tut gut zu lesen nach einer Stunde Einschlafbegleitung und gibt Mut weiterzumachen!

    • Reply Leen 7. Juni 2017 at 21:25

      Du machst das mit Sicherheit ganz toll! Ich denke an dich und sende dir liebe Grüße!

  • Reply Diana 9. Juni 2017 at 20:12

    Toller Artikel. Unser Sohn ist 3 und
    wir begleiten immer noch und die Zeitspanne liegt dabei auch zwischen 5 Minuten und 3 Stunden, aber er wird eben nie wieder 3 Jahre sein, deswegen kann ich es zum überwiegenden Teil sehr geniessen

    • Reply Leen 9. Juni 2017 at 22:50

      Danke für deine Rückmeldung, Diana! Ich wünsche dir eine gute Einschlafbegleitungszeit. Liebe Grüße gesendet aus dem Familienbett, hihi!

  • Reply Gitty 11. Juni 2017 at 06:30

    Oh ja. Seit nun 6 1/2 Jahren begleite ich in den Schlaf. Und klar gibt es hin un wieder Abende an denen ich auch mal genervt bin. Aber die werden immer seltener. Vor allem seit meine Große mich tagsdurch immer weniger braucht/möchte. Inzwischen sind die Abende eher kostbar. Hier ist noch Raum und Zeit zum Kuscheln, Erzählen, Zweisamkeit. Und mir ist bewusst dass auch dies plötzlich mal vorbei sein kann…

    Danke für deinen Beitrag!

    • Reply Leen 11. Juni 2017 at 07:42

      Ich danke dir für diese Rückmeldung! 6 1/2 Jahre!? Da ziehe ich meinen Beziehungshut vor dir. Einen schönen Sonntag, liebe Gitty!

  • Reply Sindy 12. Juni 2017 at 08:31

    Im Prinzip sehe ich das auch so. Eigentlich ist es nur Einstellungssache. Und je mehr man genervt ist und wartet, dass sie endlich einschlafen, desto länger dauert es. Denn sie spüren das.
    Nur leider ist es bei meinen Zwillingen so, dass ich dabei nicht einfach auf dem Smartphone oder in einem Buch lesen kann. Wenn ich mir etwas zur „Beschäftigung“ holen würde, wären sie wieder putzmunter und wollen mit reingucken. Da ist nix mit einschalfen. Also bleibt mir nur das stille Danebenliegen und die Wand anstarren. Und das täglich 1-2 Stunden.
    Und da fällt es mir entsprechend schwer dies für mich als positive Zeit für mich wahrzunehmen, wenn sich draußen die Arbeit stapelt.

    • Reply Leen 13. Juni 2017 at 12:57

      Ich ziehe meinen Hut vor dir! Vielleicht wäre ja die Meditation etwas für dich oder du steckst dir Kopfhörer in die Ohren und hörst ein Hörspiel. Es muss ja kein Film sein. Danke für deine Rückmeldung. Liebe Grüße Leen

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