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Endgegner Kleinkind

9. November 2017

So richtig lerne ich erst jetzt etwas über mich, mit einem Kind um die 2 Jahre. Ich bin eine ganz gute Babymama und kann gut mit Jugendlichen umgehen. Doch mein Endgegner sind die Kleinkinder.

Mit einem Kind in der Autonomiephase lernst du fürs Leben, nämlich unter anderem Selbstbeherrschung, Gelassenheit und Vertrauen.

Ich habe so viel gelesen, mich reflektiert und trotzdem bringt mich ein 2jähriges Kind an meine absoluten Grenzen. Es ist anstrengend, die eigene Erziehung und alte Glaubenssätze Tag für Tag neu zu überprüfen. Sehr schwer auszuhalten ist das Gejaule, das lange und laute Gejaule oder das Kind schmiert sich zum 3. Mal die Hände mit Margarine ein, wie mit einer Handlotion! Ich koche innerlich und gleichzeitig sitzen Engel und Teufel auf meiner Schulter. Ich weiß eigentlich was da gerade los ist und doch möchte ich einfach mal in Ruhe meinen Kaffee trinken und frühstücken. Ihr kennt das oder? Ich glaube diese Zerrissenheit kennen viele Eltern.

Mir ist es in letzter Zeit öfters passiert, dass ich in die Erziehungsfalle getappt bin und gemeckert habe, sie angemeckert habe. Ich bin müde und habe ein Baby in den ersten Monaten und manchmal einfach nicht die Geduld dann ruhig in Beziehung zu meinem Seidenraupenkätzchen zu gehen. Das ist aber nicht gut für uns und ich möchte wieder mehr an dieser arbeiten. Es ist mein Problem, denn ich muss mir Fragen stellen und meine Grenzen ausloten und authentisch bleiben. Das fällt mir momentan etwas schwer. Ich bin mir aber bewusst, was gerade läuft. Was momentan nicht klappt, ist der Spiegel, den sie mir vorhält. Ein Baby kam dazu und sie hat ihre Entthronung so wundervoll gemeistert. Er ist akzeptiert, sie ist in Beziehung mit ihm und wir sind eine neue Familienkonstellation. Wow, Kind – welche Leistung von dir! Und ich, ich halte nicht mal eine Margarinenölung aus, weil ich nur daran denke, dass wir gleich die Sachen wechseln müssen oder sie einen autonomen Anfall bekommt, wenn ich eingreifen will. Ihre Erfahrung blende ich aus, das Experimentieren z.B. Wer weiß, vielleicht ist diese Margarine gerade der Schlüssel zum absoluten Glück und erfüllt irgend ein Bedürfnis von ihr, vielleicht ist es eine Form der Meditation!? In diesem Moment ist es dann eh schon passiert und mein Meckern wird jetzt nichts mehr bringen, sondern nur alles schlimmer machen. Eine kleine Margarinenschlacht sollte ich aushalten können. Ich weiß um das Bedürfnis dahinter. In Beziehung gehen kann ich, kann ich sogar ganz gut und morgen fange ich gleich wieder an, denn es ist nie zu spät dafür.

Morgen ist ein neuer Tag und ich bereit dafür. Wenn ich wieder bereit dafür bin dann sage ich: Seidenraupenkätzchen, ich mag es nicht wenn die Butter als Creme benutzt wird. Möchtest

du stattdessen eine Handcreme haben um damit zu matschen und dich einzureiben? Das war doch jetzt gar nicht so schwer.

Eure Leen

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12 Comments

  • Reply Michaela 9. November 2017 at 11:32

    Ich glaub das Kennst jeder Mutter. Ich finde die Zeit wischen 2 und 3 Jahren ist einer der schwierigsten. Mir hat es etwas geholfen mich in mein Kind zu versetzen. Aber wenn man müde ist gerade mal 3 Stunden geschlafen hat und von der anderen Seite noch das zweite Kind brüllt das es was haben will dann vergesse ich schnell meine vorsetze und es kommt nur das verlangen nach RUHE!

    • Reply Leen 9. November 2017 at 14:05

      Ganz genau! Danke für deine Rückmeldung. Liebe Grüße Leen

  • Reply Britta 9. November 2017 at 13:03

    Ich kenne das, meine Tochter wird auch bald 2 Jahre alt. Wie die Lage bei uns ist und wie ich damit umgehe kannst du hier https://fulltime-mami.blogspot.de/2017/09/das-tollwutige-affchen.html?m=0 und hier https://fulltime-mami.blogspot.de/2017/09/wutausbruche-trotzanfalle-oder-das-ist.html?m=0 gerne nachlesen . Wie du siehst bist du nicht alleine

    • Reply Leen 9. November 2017 at 14:06

      Danke! Das mache ich.

  • Reply Angie 9. November 2017 at 13:37

    Liebe Leen,

    deine Worte kann ich so gut nachvollziehen – mir geht es da ähnlich. Egal wie viel ich zu dem Thema lese und mir Ratschläge hole und es eigentlich besser weiß, mein 3jähriger schafft es binnen Millisekunden, dass ich alle meine Überzeugungen und mein Wissen vergesse und so reagiere wie ich es nicht will. Da hilft wohl nur durchhalten, reflektieren und es ab und an besser machen 🙂

    Liebe Grüße
    Angie

    • Reply Leen 9. November 2017 at 14:07

      Hallo Angie! Wir sind auf dem Weg. Das ist so wichtig und wir nehmen es ernst. Liebe Grüße und weiterhin viel Kraft

  • Reply Anneke 9. November 2017 at 15:53

    Ui. Das kenne ich nur zu gut. Meine Tochter ist fünf und unangefochtene Weltmeisterin im Trotzen. Und heute morgen habe ich gerade eine Präsentation über die Autonomiephase gehalten.
    Vielleicht magst du etwas dazu Lesen?
    luffelom.wordpress.com/2017/10/16/das-kann-ich-schon-alleine/?preview=true

    • Reply Leen 9. November 2017 at 16:03

      Ich schau gerne mal rein, danke dir!

  • Reply Stefanie 10. November 2017 at 23:37

    Oh du sprichst mir aus der Seele! Der große ist drei, der kleine 10 Wochen. Heute fing unser Tag um halb sechs an mit den Worten ich will hauen!

    • Reply Leen 10. November 2017 at 23:41

      Na dann schicke ich dir die besten Wünsche und viel Mama-Power! Liebe Grüße

  • Reply Nora 11. November 2017 at 21:58

    Ich habe, ehrlich gesagt, bisher vermieden, Erziehungsratgeber zu lesen. Meine Kinder sind 2,5 und 9 Monate alt. Ich kenne solche Situationen absolut und ich bin oft die Ruhe selbst, obwohl Land unter ist, manchmal aber auch nicht. Und ja, dann mecker ich. Ich versuche, nie ungerecht zu sein. Aber, ganz ehrlich: Experimentierphase hin oder her, aber es geht doch nicht einzig und allein um die Freiheit und Selbstverwirklichung Deines Kindes?! Es gibt doch auch Grenzen. Und wenn meine Tochter ihr Essen durch den halben Raum schmeißt, ja, dann mecker ich. Experimentieren darf sie, aber eben nur so weit, dass es andere in ihrem Umfeld nicht überstrapaziert. Wenn ich diese Grenzen nicht ziehen würde, wäre ich dauergenervt. Und DAS hätten beide Kids wirklich nicht verdient. Fazit: ab und zu mal anpflaumen ist völlig okay! So lange ich sie danach auch mal herzlich knuddel. Wir Mütter sind doch auch nur Menschen. Jzst my 50 cents.

    • Reply Leen 11. November 2017 at 23:32

      Durch den Raum werfen kenne ich noch nicht. Das wäre eine neue Stufe, haha.

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