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Erzieherische Glaubensätze überdenken – Warum nicht in der Einrichtung offener und moderner der Zukunft entgegen?

11. Januar 2017

Das ich den Begriff der Erzieher_In nicht besonders favorisiere, könnt ihr hier nachlesen. Das soll jedoch heute nicht Thema sein. Heute möchte ich mit ein paar Glaubenssätzen und Herangehensweisen aufräumen und vielleicht andere pädagogische Möglichkeiten anbieten. Das möchte ich zukünftig auch auf dem Blog thematisieren.

Die innere Haltung ist so wichtig! 

Als Erzieher_In kann ich wählen, welche innere Haltung ich zu den Kindern haben möchte. Möchte ich erziehen, sie nach meinem Bedingungen formen oder möchte ich in Beziehung treten und ein gemeinsames Lernen und Wachsen beobachten und begleiten?

Ich bin klar für die Beziehung statt der Erziehung.

Warum nicht eine andere, frische Weiterbildung? 

Ich habe immer die Möglichkeit, mich weiterzubilden. Es gibt viele Organisationen und Träger, die eine Weiterbildungsmöglichkeiten im Jahr bezahlen. Es muss nicht die 100. zum Thema Spielen oder Beobachtung gemacht werden. Es können doch auch Themen der beziehungsorientierten Eingewöhnung gewählt werden oder zur Förderung vom Beziehungsaufbau oder oder oder.

Verändere den Blickwinkel!

Ich hörte mal von einer Erzieher_In, „dass das Kind ja die ganze Zeit von der Mama zuhause nur getragen wurde und ich in der Krippe jetzt nicht die ganze Zeit das Kind auf dem Arm schleppen kann.“

Ändere die Perspektive!

Wenn dieses Kind weint, schau hin. Anstatt es auf dem Boden weinend sitzen zu lassen, frag doch die Eltern, ob sie die Trage mit in die Kita geben und ihr in schwierigen Phasen das Kind auf dem Rücken tragen könnt. Es ist sicher gut für eure Pädagogen-Kind-Bindung und ihr fühlt euch sicher auch toll und es könnte zum allgemeinen Wohlbefinden aller beitragen. Es gibt tatsächlich schon Kitas, die Tragehilfen als Arbeitsmaterial nutzen und ganz offen mit dem Thema umgehen. Warum nicht auch mal eine Trageberatung als Weiterbildung wählen?

Glaubenssätze oder moderne, kindgerechte Denkweise? 

Jetzt wird aber aufgegessen und du bleibst so lange da sitzen, bis du mit der Suppe fertig bist.

Wer spricht da zu dem Kind? Die Erzieher_In oder der Papa der Erzieherin_In aus ihr heraus, der immer zum Aufessen gezwungen hat, als unsere Pädagog_In noch selbst ein Kind war?

Wir sollten uns fragen, ob unsere Glaubenssätze, die tief in uns wohnen, wirklich pädagogisch wertvoll sind!? In diesem Fall sind sie sogar gefährlich und einfach falsch! Du meinst es sicher nicht böse, aus dir spricht deine eigene Erziehung.

Ich sage dir, dass wir im Jahr 2017 solche Sätze zu keinem Kind sagen sollten. Es ist einfach nicht richtig. Was sollen sie lernen? Ein Kind ist kompetent und weiß, wann es genug gegessen hat oder ob etwas nicht schmeckt.

Stell dir vor, du isst nicht gern Grünkohl, ich zwinge dich aber am Tisch zu bleiben, aufzuessen und dann rede ich noch mit dir, als wärest du nicht gleichwürdig und ein Niemand. Wie würdest du dich jetzt fühlen, mein Kollege, meine Kollegin? Niemand sollte so behandelt werden.

Es gibt 1000 weitere Beispiele. Geh mit deinem Gegenüber in Beziehung und allen wird es besser gehen. Stell dir die Situation aus einer anderen Perspektive vor. Ich stelle mir immer vor, dass ich nur so mit meinem Gegenüber umgehe, wie ich auch selbst behandelt werden will. Das gilt für mich für Kinder und Erwachsene.

Motiviere dich! 

Du schaffst das! Jeder Tag kann ein neuer Anfang sein. Du kannst diese alten Glaubenssätze überwinden, wenn du dich ihrer bewusst machst. Lies gute Blogs oder lass dir in Facebookgruppen helfen. Eine davon heißt z.B. AP in der Kita – bedürfnisorientiertes Arbeiten. Es gibt Unerzogen Gruppen, AP Gruppen für Pädagog_Innen. Es gibt neue und gute Literatur, fangt doch einfach Stück für Stück an. Wie ich schon sagte: Es ist nicht zu spät. Jeder Tag kann ein neuer Anfang sein.

Geh ins Gespräch!

Wie viele Erzieher_Innen haben großen Respekt vor Entwicklungsgesprächen/ Elterngesprächen. Wie viele fühlen sich nach diesem Gespräch befreiter und ausgeglichener, weil endlich Problematiken angesprochen werden konnten, die auf dem Herzen lagen.

Gespräche, in Beziehung gehen mit den Eltern, kann für beide Seiten eine riesige Chance sein, sich besser kennen zu lernen und gemeinsam Wege zu finden, das Kind in Achtung und Liebe zu begleiten. Bleibt freundlich zueinander! Auch unsere Eltern versuchen nur ihr Bestes zu geben.

Natürlich ist ein Gespräch mit den Kindern deine tägliche Arbeit und das muss ich nicht noch einmal explizit erwähnen. „Paul, du hast doch schon wieder Paula gehauen, oder?“ Wirst du doch sicher nicht mehr fragen oder? In Beziehung zu sein heißt offen zu sein und ins Gespräch zu gehen, ohne Vorwürfe. Ich sage mir noch einmal: Würde ich so mit meinem Mann, meiner Freundin reden? Nein? Dann rede ich so auch nicht mit den Kindern.

Bleib in der Liebe!

Atme durch, bevor du Schimpfen möchtest. Frage dich, was dich gerade wirklich stört. Das Kind oder ein innerer Konflikt in dir selbst? Kinder sind IMMER gut! Wenn wir diesen Satz auf unsere Fahne schreiben, dann lassen sich Konflikte sicher noch besser lösen.

Meine Idee dazu!?

Beziehungsarbeit ist ein Geschenk. Die Beziehung zu den Kindern wächst und die Beziehung zu euch selbst natürlich auch. Ihr habt die Möglichkeit in euch aufzuräumen und den Job vielleicht sogar mit neuem Schwung und Spaß anzugehen. Es ist ein Prozess und der Funken in Richtung Liebe und weg von der Erziehung macht das Herz größer.

Eure Leen

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2 Comments

  • Reply Oliver 11. Januar 2017 at 13:01

    ..seine eigenen Glaubenssätze neu zu überdenken, halte ich für den absolut wichtigsten Punkt! Vielen Dank für den Perspektivwechsel. Grüsse aus Sonthofen von den erziehenden Mannsbildern!

    • Reply Leen 11. Januar 2017 at 21:50

      Danke dir, Oliver und liebe Grüße zurück

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