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Freude oder Ablehnung – Spürt ein Baby die Gefühle der Mutter im Bauch?

12. Januar 2017

Bei Twitter las ich eine Diskussion. Eine Mama beschrieb, wie sie ihren Arztbesuch erlebte und wie enttäuscht sie war, als ihr gesagt wurde, dass es ein Junge sei. Ich glaube diese Szene ist nicht neu und trifft auf viele Eltern zu.

Diese Gedanken dazu treiben mich um. Es wird etwas philosophischer heute und es sind einfach meine Gedanken. Ich möchte niemanden angreifen, ich möchte ausschließlich meine Sicht auf diese Thematik beleuchten.

Viele Frauen berichten von einer innigen Bindung zu ihrem Kind. Sie fühlen das erste Gluckern, spüren, wenn etwas „nicht passt“ oder fühlen sich einfach mit ihrem Baby im Bauch verbunden.

Was fühlt das Baby? Ich kann es euch nicht sagen, aber ich habe großen Respekt vor der Frage an sich.

Fühlt es, durch die Verbildung, dass es nicht gut genug ist? Das es „nur“ ein Junge ist? Oder gibt es da noch gar keine Gefühle?

Ich weiß es nicht, tendiere aber eher zur ersten Äußerung.

Ich habe mich mit meinem Baby verbunden gefühlt. Selbst, als die Ärzte mich notoperieren wollten, fühlte ich, dass alles mit dem Seidenraupenkätzchen in bester Ordnung war! Sie hat es mir „gesagt“ in meinen Gefühlen, in unserer Verbindung. Keine weiteren Auffälligkeiten im CTG. Sie blieb also noch fast 7 Wochen im Bauch und wir haben unsere Schwangerschaft beschützt.

Zurück zum „Jungen-Ding“.

Ich weiß nicht so richtig, wie ich mit diesen Gedanken umgehen soll. Hat die heutige Technik das aus uns gemacht? Weil wir alles schon vorher sehen und wissen dürfen? Oder war das schon immer so?

Ich habe mich letztens mit einer Frau unterhalten, die um die 70 Jahre alt ist. Sie hatte damals schon einen Sohn und wollte als zweites Kind unbedingt ein Mädchen. Als ihr zweiter Sohn geboren war, sie aber immer noch fest glaubte, ein Mädchen zu bekommen, war sie bitterlich enttäuscht. Es ist also sicher schon immer so, dass Wünsche, oder in diesem Fall fast schon eine Erwartung, bestehen und nicht erfüllt werden. Wünsche nach dem Geschlecht des Kindes.

Ich habe mir damals als erstes Kind ein Mädchen gewünscht. Ich habe aber immer gesagt, ein Junge ist auch perfekt. Heute bereue ich das.

Wieso?

Es fühlt sich einfach nicht richtig für mich an, solche Wünsche zu hegen. Es kommt eh wie es kommt. Eine Erwartung erzeugt oft eine Enttäuschung, wenn es mir so ergangen wäre, wie der 70 jährigen Frau.

Es dann abzulehnen, was das „Universum“ für mich bestimmt hat, macht mich noch nachdenklicher. Wir reden hier und heute einfach „nur“ über das Geschlecht und nicht über eine Krankheit oder eine Schädigung.

Ich habe immer Angst, dass das Baby diese Gefühle im Bauch mitfühlt und als eines der ersten Gefühle schon Ablehnung spürt.

Dann mache ich mir große Gedanken um Frauen, die das lesen und eine Fehlgeburt hatten und nicht mehr über Jungen oder Mädchen nachdenken können und sich vielleicht fragen: Was hat das jetzt bitte noch für einen Stellenwert, dieses Geschlechtsding? Dann denke ich an Frauen, die sich ein Kind wünschen und nicht schwanger werden oder an Frauen, die ein Kind in sich tragen und es nicht geplant war und die Identifikation mit dem Baby (noch) fehlt.

Dann denke ich daran, dankbar zu sein und demütig, über mein Glück und erinnere mich daran, mich daran zu erinnern, wenn ich ein zweites oder drittes Mal in dieser Situation sein werde.

Eure Leen

Meine Bloggerfreundin Mother Birth geht da noch ganz anders an die Thematik heran. Sie lässt es sich nicht sagen und wird von der Gesellschaft damit konfrontiert, aber schaut doch einfach selbst noch einmal hier auf ihrem Blog vorbei.

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6 Comments

  • Reply Lara 12. Januar 2017 at 11:34

    Was mich an dieser Diskussion etwas stört, dass viele vergessen zu scheinen, dass Gefühle subjektiv sind. Ich habe den besagten Artikel gelesen und er war für mich erstmal eine Momentaufnahme. Eine Mutter hat ihren Gefühlen freien Lauf gelassen und genau wie ihr Kind hat sie ein Recht auf ihre Gefühle.
    Ich glaube ganz genau wie du, ganz fest daran, dass das Baby im Bauch viel mitbekommt. Und genau diese Möglichkeit gibt der Mutter eine Chance mit ihrem Baby in Kontakt zu treten und Situationen oder Gefühle zu besprechen. Wenn man dem Baby im Bauch also Gefühle zuspricht, sollte man sie der Mutter nicht verbieten. Wichtig ist, dass die Mutter sich mit der Situation auseinandersetzt. Das wird sicher passieren, doch darum ging es in dem Artikel noch nicht. Ich vertraue ganz arg auf die Macht der Hormone und bin mir sicher, sie wird eine stolze Mama, auch wenn sie es sich erst anders vorgestellt hat.

    • Reply Leen 12. Januar 2017 at 15:23

      Ich finde den Artikel dazu ok. Um den geht es mir tatsächlich gar nicht, liebe Lara, darum ist er auch nicht verlinkt! Es geht mir tatsächlich um die Unterhaltungen in den sozialen Medien. Das finde ich teilweise etwas verletzend. Diese Gefühle an sich, stehen jedem zu. Wir dürfen auch traurig und enttäuscht sein. Jeder für sich. Ich habe das Ganze heute einfach etwas weiter gesponnen. Was ist, wenn mein Kind das erfährt? Das ich im ganzen Netz schreibe, ich will absolut keinen Jungen? Das macht mit mir einfach irgendwas! Darum habe ich diesen Beitrag geschrieben.

  • Reply Lara 12. Januar 2017 at 20:26

    Oh ja, das ist natürlich so eine Sache, das Internet vergisst nun mal nicht. Aber ich denke in einer sicheren Beziehung von könnte dies geklärt werden. Weil sich das Kind durch die sichere Bindung erst gar nicht wirklich unvollkommen fühlt. (Das Wort passt irgendwie nicht, mir fällt nix besseres ein.)

    • Reply Leen 12. Januar 2017 at 20:44

      Das hast du schön gesagt und das ist bestimmt auch so!

  • Reply Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit) 13. Januar 2017 at 22:39

    „Dann mache ich mir große Gedanken um Frauen, die das lesen und eine Fehlgeburt hatten und nicht mehr über Jungen oder Mädchen nachdenken können und sich vielleicht fragen: Was hat das jetzt bitte noch für einen Stellenwert, dieses Geschlechtsding? „
    Ich hatte mehrere Fehlgeburten und trotzdem trauerte ich ein paar Tage lang um die „Möglichkeit Mädchen“, als ich erfuhr, dass mein Sohn ein Bub war. Und nur weil man sich eine Tochter wünscht und in dem Moment, wo man das Geschlecht erfährt, traurig ist, heisst das noch lange nicht, dass man „absolut keinen Jungen will“. Das schrieb auch die betreffende Autorin nirgends und ich finde es unfair, ihr das zu unterstellen!

    • Reply Leen 13. Januar 2017 at 23:14

      Hallo Katharina. Ich beziehe mich nicht auf den Text, sondern auf die Kommentare, wie ich es im Text schrieb! Diesen Kommentar „Ich will absolut keinen Jungen“ habe ich gelesen und das war mein Punkt, diesen Text zu verfassen. Das hat mich traurig gemacht. Es geht mir doch gar nicht um die Gefühle, die soll jeder für sich fühlen dürfen. Ganz liebe Grüße Leen

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