beziehungsorientierte, bedürfnisorientierte und bindungsorientierte Begleitung Blog

Grenzen haben und in Beziehung bleiben!?

14. Juli 2017

Grenzen zu haben und das in Beziehung mit dem Kind!? Geht das? Für uns gehört es zu unserem Alltag dazu.

Es gibt bei uns Grenzen, aber ich achte darauf, wie ich diese formuliere.

Ich nenne euch ein ganz einfaches Beispiel aus einer aktuelleren Situation.

Ich habe meinem Seidenraupenkätzchen neue Stifte gekauft. Solch richtig schön schmierige Gelmaler, die alles sehr intensiv leuchten lassen.



Der Tisch hat beim Kreativwerden etwas abbekommen und ihre Kleidung auch. Damit muss ich rechnen, wenn ich ihr keine Schürze zur Verfügungung stelle. Unsere Tochter ist fast 2 Jahre alt und wenn, dann ist es meine Aufgabe, solche Schritte vorherzusehen und einzuplanen, nicht ihre. 

Sie hatte riesigen Spaß in ihrer Malecke und ich hielt das Bemalen des Tisches (er ist gut anwischbar) und die versehentlichen Stupfser auf der Kleidung auch wirklich gut aus. Meine persönliche Grenze war noch nicht erreicht. Ich ließ sie machen und freute mich mit ihr!

Wo war meine Grenze an diesem Tag!?

Meine persönliche Grenze war erreicht, als sie mit dem Gelstift in der Hand zu den weißen Türen ging, sich dahinter verkroch und gerade die Türen und Wände bemalen wollte.
Ich rief Stopp! Lief zu ihr und trug sie von der Wand weg. Ich sagte zu ihr: Ich möchte das nicht und zeigte ihr erneut ihre Malecke mit dem Papierbogen als Alternative zur Tür und Wand. Ich erklärte ihr, dass sie dort malen kann, wenn sie möchte.

Ich habe diese persönliche Grenze in diesem Moment für mich gewahrt, denn meine Grenzen und Bedürfnisse sind genauso wichtig, wie die meiner Tochter und meines Mannes.

Es macht für mich den Unterschied, wie ich solch eine Situation begleite. Ich war in diesem Moment in Beziehung, habe mein Kind angesehen und gesagt, was für mich geht und was eben nicht geht! Daraufhin habe ich ihr eine Alternative geboten. Es gab überhaupt kein Problem. Sie malte selig am Tisch weiter und alles war geklärt.

Sätze wie: „Du darfst das nicht!“ „Hör auf damit!“ oder geschweige denn den „Brüll-Modus“ habe ich nicht verwendet. Das sind für mich Sätze und Verhaltensweisen, die von der Beziehung zum Kind weg führen. Sicher passiert mir das auch, aber ich bleibe reflektiert.

Nur weil wir beziehungsorientiert begleiten, heißt das nicht, dass unsere Grenzen zum permanenten kindlichen Überschreiten gemacht sind. Das entspricht nicht der Haltung meiner Familie. Wir sind alle wichtig und unsere Gefühle und Bedürfnisse gleichgestellt.

Wir haben viel Arbeit und Geld in unser Haus gesteckt und das schütze ich dann auch in diesen Momenten. So einfach ist das, ehrlich gesagt. Hätte ich es nicht gesehen, wäre es kein Weltuntergang gewesen und ich hätte sie nicht ausgeschimpft oder bestraft, aber ich hätte gesagt, dass ich darüber traurig oder wütend bin oder was eben genau in diesem Moment das Gefühl von mir gewesen wäre. Das ist ok, denn es sind mein Gefühle und diese dürfen auch laut sein und gefühlt werden. Wir sind authentisch. Bindungs-, beziehungs- und bedürfnisorientiert zu leben, heißt für mich nicht, sich selbst zu verstellen, zu verkaufen oder zu unterdrücken.

Ich habe Grenzen, mein Mann hat Grenzen und das Seidenraupenkätzchen hat Grenzen. Jede*r von uns hat das Recht diese zu beschützen, auch wenn es in diesem Beispiel nur der Schutz einer Wand war und nicht einmal eine Grenze, die den eigenen Körper betrifft.

Wie steht ihr zu diesem Thema?

Eure Leen

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3 Comments

  • Reply Jessi aka Terrorpüppi 14. Juli 2017 at 10:50

    Ein sehr schöner Blogpost, der sehr deutlich macht, dass es eben nicht nur um die Grenzen des Kindes geht, sondern um die Grenzen aller Beteiligten.

    Ich war neulich deutlich in einem Buchladen befremdet, als dort ein etwa einjähriges Kind., jedenfalls krabbelnd und an den Regalen hochziehend, sich an Büchern deutlich vergriff und die Regale ausräumte. Das Kind verhielt auch vollkommen altersgerecht. Was mich ärgerte war die Mutter, die das ganz in Ruhe mit ansah und nicht ein einziges Mal einschritt – auch nicht, als die Buchhändlerin klar aber freundlich artikulierte, dass diese Bücher noch verkauft werden sollen… Das sind immer Momente, wo ich mich Frage: warum nicht auch die Grenzen von anderen wahren?

    Entsprechend empfinde ich deine Reaktion als vollkommen selbstverständlich. Auch, nicht zu meckern.

    Lieben Gruß
    Jessi

    • Reply Leen 14. Juli 2017 at 16:03

      Danke dir für deine Rückmeldung und ein weiteres Beispiel, Jessi. So sieht für mich miteinander auch aus. Liebe Grüße Leen

  • Reply Eure Herzensbeiträge des Monats Juli (#Herzpost) - Verflixter Alltag - Der kuriose Mama-Blog 4. August 2017 at 18:38

    […] Aufbruch zum Umdenken: Grenzen haben und in Beziehung bleiben?! […]

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