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Hausfrau und Mutter!? Bin ich damit glücklich!?

27. November 2016

Ich bin momentan eine Hausfrau und Mutter!

Das ich eine Mutter bin, ist ja irgendwie klar, da ich ein Kind geboren habe. Aber bin ich eine Hausfrau? Was bedeutet dieses Wort eigentlich? Laut Wikipedia (im Studium durften wir es nicht nutzen, jetzt ist es mir Schnuppe) ist eine Hausfrau:



(Quelle)
Nie wollte ich eine Hausfrau sein. Ich habe lange und gute Ausbildungen in der Tasche, habe einen Master in der Sozialen Arbeit und nun bin ich eine Hausfrau? Ich habe mich entschieden, nachdem ich mein Kind in den Armen hielt, sie krippenfrei zu begleiten und die ersten Jahre mit ihr zuhause zu bleiben. Warum? Weil ich Lust darauf habe und weil ich nicht so ganz hinter dem Betreuungsschlüssel von Sachsen-Anhalt stehe. Außerdem wollte ich eine Auszeit, um mich selbst neu zu finden. Ich habe durch die Selbstbetreuung kaum Zeit, wirklich meinen Haushalt zu machen. Das machen mein Mann und ich zusammen, einer nimmt das Kind und einer macht dann richtig Rabatz, mit Wischen und Putzen usw. Mein Kind ist nicht in der Lage, sich stundenlang allein zu beschäftigen, damit ich putzen und Hausfrau sein kann. In der Trage geht es schon auch, aber da will sie auch nicht mehr stundenlang drin bleiben. Wir spielen viel zusammen, gehen raus oder sind unterwegs. Klar kann ich auch mal was schaffen, aber das wirkliche Putzen geht nur, wenn wir zu zweit sind. Ihr sagt jetzt sicher, dann mach es doch abends!? Ja, ist ja richtig, aber abends bin ich kaputt und müde. Da möchte ich lesen und bloggen.

Ich habe das Hausfrau und Mutter-Ding unterschätzt. Ganz ehrlich! Ich habe auch über solche Menschen geurteilt, besonders über die westdeutschen Hausfrauen. Klar, ich bin rein Ost sozialisiert und glaubt mal, das reicht gut bis in unsere Generation, diese Denkweisen und Vorurteile. Wir „Ossi-Mamas“ arbeiten und die „Wessi-Mamas“ sind zuhause mit ihren Kindern. Puh, wie ich mich gerade dafür schäme, dass ich das so übernommen und einfach unreflektiert gedacht habe. Naja, ich denke das schon lange nicht mehr, aber es war mal so. 

Es ist ja nicht nur die Betreuung des Kindes, es ist einfach auch eine finanzielle Belastung und an die Rentenpunkte kann auch gedacht werden, wenn wir noch glauben, dass wir eine Rente bekommen werden. Es spielen so viele Faktoren hinein. Isolation, Geldsorgen, Ideale und Rollenbilder, stereotype Denkweisen. Ich habe bestimmt noch 100 Faktoren vergessen. Natürlich arbeiten nicht alle Mütter von Kindern unter 3 Jahren im Osten und nicht alle im Westen sind zuhause. Das ist ja ganz klar. Wir sind im Jahr 2016 angekommen. Mir geht es damit eher um die Stereotypen, Schubladen, die wir alle ab und zu aufmachen. So geht es sicher auch den anderen Frauen in meiner Gegenwart, wenn ich sage, dass ich Selbstbetreuerin bin, und somit irgendwie Hausfrau. Ich bin, glaube ich, in meinem Ort die einzige Selbstbetreuerin. Hier sind Kitas einfach ganz normal und in der „Geschichte“ verankert. Ich werde vorrangig damit konfrontiert, dass mein Kind doch keine sozialen Kontakte hat, wenn ich sie nicht in die Krippe bringe. So ist das nicht! Es ist nirgends in der Litaratur beschrieben, dass ein Kleinkind soziale Kontake in einer gleichaltrigen Gruppe braucht, um sozial eingebunden zu sein. Menschen benötigen allgemein soziale Kontakte. Ich sorge dafür, dass wir uns mit Freunden treffen, die Kinder haben. Meine Schwester hat eine Tochter (6), welche wir oft sehen. Ich organisiere mich einfach und sehe zu, dass wir unter Menschen kommen, ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene.

Es ist ein wirklich anstrengender Job, dieser Hausfrauen- und Mutterjob. Ich habe fast immer 24 Stunden und 7 Tage in der Woche die Aufgabe, ein Kleinkind zu betreuen. Mütter mit mehren Kindern haben da noch eine ganz andere Hausnummer vor sich, das fühle ich jedenfalls so. Oft zweifele ich an mir, dass ich ihr nicht ausreiche und zu langweilig bin. Oft bin ich einfach überfordert, wenn wieder ein Sprung oder Schub ist. Da bin ich dann wieder froh, zuhause zu sein und bewundere die Mamas, die sich nach solch einer Nacht zur Arbeit quälen müssen. Auf der anderen Seite denke ich dann, die können jetzt auch mal einfach nur „was arbeiten“ und etwas „anderes tun, als Mama zu sein“. Auf noch einer anderen Seite sehe ich dann mein Kind spielen und freue mich, dass ich das jetzt so in Ruhe beobachten kann und ich da bin, da für sie und ich mit ihr meine  Lebenswelt, ihre Lebenswelt teile. Ihr merkt, es ist auch nicht nur schön und einfach für mich und das Leben hat viele Seiten und Facetten. So geht es sicher auch den berufstätigen Müttern, die oft nur noch die Abende mit ihren Kindern haben, weil sie viel und lang arbeiten. 
Als Hausfrau bin ich übrigens irgendwie eher schlecht. Das war aber schon immer so. Ich bin einfach nicht dieser mega-mäßige Putzmensch. Bei mir ist es immer ok, aber nie so richtig pikobello lecki sauber, wie bei meiner Freundin J. Hihi, wer mich kennt weiß, dass damit zwei Freundinnen gemeint sind. Ich bin einfach eine Selbstbetreuerin im Raster der Hausfrau. Manchmal würde ich auch gern mal allein sein, oder arbeiten. Ich möchte auch eigentlich mehr im Haushalt schaffen, weil mein Mann ja arbeiten geht und ich hier ja auch meinen Beitrag leisten muss!? Merkt ihr!? Innerer Druck und gesellschaftliche Erwartungen, die an mir nagen. Ich betreue ein Kleinkind in Eigenregie mit meinem Mann. Das ist eine Aufgabe. Jetzt, 2016 verstehe ich es! Jetzt habe ich ein Verständnis dafür, was es heißt. Ich werde nie wieder auch nur ansatzweise über Hausfrauen oder auch berufstätige Mütter irgendetwas schlechtes denken. Wir versuchen doch alle nur unser Bestes zu geben. Jede Seite hat Punkte für und gegen sich. Jeder findet seinen eigenen maßgeschneiderten Weg.

Ich bereuhe meine Entscheidung, zuhause zu bleiben, nicht. Seitdem ich blogge, habe ich auch irgendwie einen Ausgleich und eine „berufliche“ Aufgabe/ Kontakte. Ich sehe das Bloggen als meine Aufgabe neben dem Mamasein. Ich bin gern im Thema der Pädagogik und Sozialarbeit unterwegs und mit dem Blog kann ich meinen Weg und meine berufliche Prägung gut vereinen und etwas Neues entstehen lassen. Ich bin glücklich. Ich wollte hier und heute mal ein Fenster öffnen, aus dem eine Frau schaut, die sich ein paar Klischee-Brillen aufgesetzt hat, die von sich selbst, die der westdeutschen Hausfrau und die der berufstätigen Mutter. Seid rücksichtsvoll miteinander und fragt doch einfach mal nach, bevor ihr urteilt oder anklagt. Es gibt keinen richtigen Weg! Es gibt einen Weg für die eigene Familie.

Eure Leen 

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4 Comments

  • Reply Laura 28. November 2016 at 09:48

    Hey,

    ich stimme Deinem Beitrag komplett zu. Ich bin eine Westdeutsche 😛 und ich kenne es nur so, dass alle Mamas damals zu Hause waren und ich fand es wunderschön. Ich damals als Kind. Genau deswegen bleibe ich, so lange mein Kind es braucht, auch zu Hause. Ich verstehe immer nicht, wenn Mütter Langeweile als Ausrede nutzen um ihre Kinder in die Krippe bringen um wieder zu arbeiten. Mir war nicht eine Sekunde, seitdem ich Hausfrau und Mutter bin, langweilig – 15 Monate 😉

    • Reply Leen 28. November 2016 at 11:22

      Hallo Laura,
      schön, dass ihr euren Weg gefunden habt. Ich wünsche dir alles Liebe und Gute!
      Leen

  • Reply Aktiv mit Kindern 28. November 2016 at 10:36

    Hallo Leen,
    ein schöner Bericht! Bei vielen Punkten konnte ich einfach nur voll und ganz
    zustimmen. Wir sind auch Selbstbetreuer und ich bin auch „nur“ Hausfrau 😉 Und auch ich als Wessi habe den Hausfrauen-Job früher immer ziemlich unterschätzt *schäm* Okay, nun weiß ich es besser 😉
    Liebe Grüße,
    Lisa

    • Reply Leen 28. November 2016 at 11:23

      Hallo Lisa, schön wieder von dir zu lesen. Ich hoffe es geht euch gut!? Danke für deine Rückmeldung. Liebe Grüße Leen

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