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Hochsensibilität bei Kindern

20. September 2017

Ihre kleinen Antennen sind immer auf Empfang gestellt. Nur selten entgeht ihnen die kleinste Veränderung. Blitzschnell nehmen sie die Gefühle ihrer Mitmenschen wahr, ohne dass zuvor jemand darüber gesprochen hat. Meist haben sie ein ausgeprägtes Sozialverhalten, eine Vorliebe für Tiere und einen sehr eigenen Humor. Regeln werden von ihnen strikt eingehalten und nicht oft wird was vergessen. Oft wirken sie schon wie „kleine“ Erwachsene oder Superhelden die in Zukunft die Welt regieren werden. Hochsensible Kinder.

Laut aktuellen Studien sind ca. 15-20% der Menschen hochsensibel. Unabhängig vom Geschlecht oder der Nationalität.
Diese kleinen (und auch großen) hochsensiblen Wesen müssen dieses „mehr“ an Erleben, leben und wahrnehmen lernen zu verarbeiten. Und da eine hochsensible Person dies auf die gleiche sorgfältige Art und Weise erledigt, wie auch alles andere, fangen hier oft die Schwierigkeiten an. Denn unser heutiges Leben ist sehr schnelllebig und Zeit oft nicht vorhanden. Diese Zeit brauchen aber gerade hoch-sensible Kinder. Bei der Reiz- oder Gedankenverarbeitung scheint es, als würde hochsensiblen Menschen der Filter fehlen, der bei anderen greift um Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Irgendwann ist die Grenze erreicht und das Gehirn überfordert. Oft folgt dann bei hochsensiblen Kindern der Stimmungswechsel. Plötzlich kann ein vorher noch ganz ruhiges Kind aggressiv und laut werden. Ebenso typisch sind Verhaltensmuster wie Rückzug. Für Außenstehende ist in dieser Situation nur sehr schwer zu erkennen was gerade in diesem kleinen Menschen vor sich geht. Deswegen bekommen sie oft zu schnell den Stempel „zu schüchtern“, „ADHS“, „ADS“, „weinerlich“ oder „Memme“. Diese unvorhergesehenen Gefühlausbrüche, wütend oder aggressives Verhalten oder traurige defensive Rückzüge sind meist der Grund warum sich besonders Eltern Hilfe suchen.

Aber was passiert eigentlich im Gehirn von hochsensiblen Kindern? Der Unterschied, im Vergleich zum „normalen“ Gehirn liegt im limbischen System. Hier liegt die Amygdala. Sie ist so etwas wie die Alarmanlage des Gehirns. Hochsensible Menschen weisen einen erhöhten Wert an Noradrenalin auf. Was dazu führt, dass ihr limbisches System schneller auf „Gefahr“ eingestellt ist. Außerdem beeinfluss die Amygdala Emotionen. Andrea Beckmann untersuchte hochsensible Säuglinge. Nach ihrer Beobachtung ist bei hochsensiblen Babys die rechte Stirnhälfte kälter als bei normal sensiblen Säuglingen, was auf eine erhöhte Hirnaktivität hinweist und zeigt, dass Hochsensibilität angeboren ist. Die Hirnregion für Reizunterdrückung ist bei Hochsensiblen dagegen weniger aktiv.

Dabei ist die Grenze des Ertragbaren bei hochsensiblen Kindern nicht niedriger als bei anderen Kindern. Aber die überdurchschnittliche Reizaufnahme und auch Verarbeitung hat zur Folge, dass diese Grenze schneller erreicht ist. 

Es ist mir wichtig, immer zu sagen, dass Hochsensibilität keine Krankheit ist und hochsensible Kinder auch keine Wunderkinder sind. Sie haben lediglich ein sehr ausgeprägtes Persönlichkeitsmerkmal. Die Hochsensibilität und der Umgang damit muss in gewisser Weise erlernt werden.

Wenn sie oder ihr Kind betroffen sind, dann suchen sie sich (bei Bedarf) Unterstützung. Denn die Weichen werden bereits in der Kindheit gestellt, ob ihr Kind später einmal ihre Sensibilität frei und offen leben kann. Je selbstverständlicher und offener es aufwachsen kann, umso besser wird es ihm gelingen, eine starke Persönlichkeit zu werden. Meist braucht es eine besondere Aufmerksamkeit, damit Kinder an ihrer speziellen Wahrnehmungsweise wachsen. 

Wird die Hochsensibilität unterdrückt, hat es oft negative Folgen für die Entwicklung ihres Kindes.

Wer sich über dieses Thema ausführlich informieren möchte oder die Vermutung hat, sein Kind ist hochsensibel, dem empfehle ich immer Hilfe von speziell geschulten Therapeuten.

Für den ersten Einstieg ist das Buch „Das hochsensible Kind – Wie sie auf die besonderen Schwächen und Bedürfnisse ihres Kindes eingehen“ von Dr. Elaine N. Aron bestens geeignet. Sie ist Pionierin im Bereich Hochsensibilität.

Mehr zum Thema Hochsensibilität, Kinder und Ernährung bekommt ihr auf meiner Seite.

Eure Patricia

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