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Kinder auf einer Beerdigung?

10. März 2017

Zeitnah werde ich auf einer Beerdigung sein und wie so oft kam vorab die Frage auf, ob Kinder auf eine Beerdigung gehören. 

Diese Diskussion ist immer mal wieder sehr präsent, ob in meiner Familie oder bei Freunden und Bekannten.

Jeder Mensch geht anders mit seiner Trauer um, jeder Mensch findet seine Mechanismen und Strategien, um mit dem Tod fertig zu werden. Trotz allem, gehen die meisten erwachsenen Menschen auf eine Beerdigung, um sich zu verabschieden. Für Kinder trifft das aber irgendwie nicht so ganz zu, jedenfalls in meiner Gegend.

In meiner Region hat sich eingeschlichen, dass Kinder von Beerdigungen fern bleiben und erst Jugendliche wieder an der Zeremonie teilhaben. Ich höre Aussagen wie: „Kinderseelen können das nicht verkraften“ und „Kinder gehören nicht auf eine Beerdigung.“

Doch ist das tatsächlich so? 

Ich finde es ist immer abhängig vom Alter und Wesen des Kindes. 

Meine Tochter ist unter 2 Jahre alt und würde den Sinn dieser Trauerveranstaltung nicht erfassen können und mich und meinen Mann eventuell in unserem Trauerprozess behindern. Ich müsste vielleicht die Trauerrede und die Örtlichkeit verlassen, wenn sie unruhig oder sogar weinerlich werden würde. Wir haben uns also dafür entschieden, unsere Tochter an diesem Nachmittag in Betreuung zu geben. 

Wäre mein Kind etwa 4 Jahre oder älter, sehe die ganze Geschichte anders aus, aber auch hier bestimmt wieder das Wesen des Kindes die Situation.
Ich persönlich würde mein Kind wahrscheinlich mit auf die Beerdigung nehmen. Ich denke, dass Kindern die Möglichkeit gegeben werden sollte, eine Beerdigung erleben zu dürfen. Ich würde mit meinem Kind vorher darüber sprechen und es emotional darauf vorbereiten und alle kindlichen Fragen altersgerecht beantworten. 

Ich habe Beerdigungen mit Kindern erlebt. Die jungen Menschen waren ganz aufmerksam und bedacht und wurden nicht, wie es oft von Eltern befürchtet wurde, zum Störfaktor. 

Wenn sich Eltern dazu entschließen, Kinder an einer Beerdigung teilhaben zu lassen, bedarf es einer guten Vor- und Nachbereitung. Der oder die Seelsorger_In/ Geistlicher/ Redner_In ist auch bei solchen Fragen ein guter Ansprechpartner_In. Es gibt auch weitere kindgerechte Möglichkeiten, diesen Prozess zu begleiten, wenn es jetzt nicht direkt der Weg zum Grab, in mitten der Familie, wird. Hier bieten die Seelsorger_Innen oft alternative Möglichkeiten an. 

Meine persönlichen Erfahrungen

Ich habe mich als Kind ausgeschlossen gefühlt, wenn ich nicht mit zu Beerdigungen durfte. Die Person, die gestorben war, war dann einfach weg für mich. Es war ein Prozess des Abschieds, den alle erlebten, nur ich nicht. Ich glaube, der Weg zum Grab und das zu Grabe lassen, hätte mir gut getan. Ich wäre ein Kind gewesen, dass diesen Schritt gebraucht hätte. Ich wäre auch gern an der Seite meiner Familie gewesen, denn auch Trauer und Tod gehören zum Leben dazu. 

Als Jugendliche hat es mir sehr geholfen, die Beerdigung meines Opas mitzuerleben. Ich habe das für meinen Trauerprozess gebraucht. Den Moment des Abschieds. 

Ich denke, einige Kinder brauchen das auch. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Kinder Vieles viel klarer und sachlicher aufnehmen, als wir es vielleicht tun würden. 

Heute würde ich immer dem Kind erklären, was passieren wird und fragen, ob er oder sie dabei sein möchte. Ich finde diese Frage danach auch sehr wichtig. 

Eine Beerdiung mit Kind ist eine Sache, die nicht einfach verneint und abgetan werden sollte. Es ist wertvoll dazu zu recherchieren, ins Gespräch mit Fachleuten zu gehen und sich die ganze Gegebenheit gut zu durchdenken. 

Eure Leen 

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6 Comments

  • Reply Birgit 10. März 2017 at 09:54

    Meine Tochter war 7, als mein Vater starb, den sie sehr geliebt hat. Sie war bei der Trauerfeier und Bestattung dabei und ich habe das als sehr wichtig für sie empfunden. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, sie davon auszuschließen.

    Liebe Grüße,
    Birgit

    • Reply Leen 10. März 2017 at 10:45

      Danke für deine Rückmeldung, Birgit! Das ist sehr nett. Liebe Grüße Leen

  • Reply Anna 10. März 2017 at 12:34

    Finde ich sehr cool, dass du was dazu schreibst! Und sehe es auch so. Meinem Papa war von Anfang an wichtig, dass wir einen „natürlichen Umgang“ mit dem Tod erleben durften. Und ich erinnere mich sehr genau daran, wie wir am Bett meiner Uroma saßen, sie war in der Nacht gestorben, ich durfte vorsichtig ihre gefalteten Hände berühren und mich verabschieden. Ich war fünf. Es ist mir so präsent als wäre es gestern…
    Ich finde, wenn Kinder etwas älter sind, können wir sie ja einfach fragen und mit ihnen besprechen, was dort passiert und ob sie dabei sein wollen. Oft entscheiden wir so viel über ihren Kopf hinweg.

    Ich wünsch jedem, dass er gut Abschied nehmen kann, denn das ist so wichtig, wo und wie auch immer!
    Dir wünsche ich das auch! Alles Liebe Anna

    • Reply Leen 10. März 2017 at 12:49

      Danke für deine Worte, liebe Anna!

  • Reply Sophia K. 13. Juni 2017 at 16:14

    Hallo liebe Leen,

    das hast du sehr schön geschrieben!
    Hinzufügen möchte ich noch, dass die gemeinsam verbrachte Zeit und die gemeinsamen Erlebnisse besonders im Kindesalter nachhaltig prägen – Das darf auf keinen Fall vergessen werden und sollte man fairerweise auch bei einer Beerdigungsveranstaltung berücksichtigen.
    Ich finde, auch hier, sollte jeder (unabhängig vom Alter) die Chance erhalten, sich von einer wichtigen Bezugsperson zu verabschieden, um begreifen zu können, dass diese Person nun „heim gekehrt“ ist.

    Liebe Grüße wünscht,
    Sophia

    • Reply Leen 13. Juni 2017 at 18:37

      Das hast du schön gesagt! Liebe Grüße zurück!

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