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Lou schreibt über…Teil 4

26. Januar 2018

Ich frage mich gerade, wo ich jetzt genau weiter ansetzen soll. Mein Kopf explodiert. Es prasselt aktuell so viel auf mich ein und eigentlich gibt es da noch eine Menge aufzuarbeiten. Mein Herzschmerz hat in den letzten 6 Tagen ganz neue Dimensionen erreicht.

Wenn ich meine aktuelle Situation anschaue, liegt die Antwort für die Ursachen aber leider in der Vergangenheit.

Mein Mann hat nicht nur seelisch Wunden bei mir hinterlassen, sondern auch bei meinem ältesten Kind. Wächst du mit einem Vater auf, der sein Verhalten nie kritisch reflektiert, impulsiv, aggressiv und unüberlegt handelt, überträgt sich das auf deine Kinder. Leider war ich bis vor meiner Trennung teilweise der Auffassung, lieber so als die Familie zerstören und zu großen Teilen vollständig auf ihn zu verzichten. Unsere Kinder brauchen ihren Vater.

Viel zu oft habe ich sein Verhalten meinen Kindern gegenüber entschuldigt. Einerseits wollte ich Frieden, anderseits konnte ich nicht anhaltend seine Autorität quntergraben. Das hätte den Graben zwischen uns noch größer gemacht. Wenn mein Geschwisterchen und ich nicht nach Plan liefen, machte mein Vater gern die Erziehung meiner Mutter dafür verantwortlich. Heute denkt er darüber anders, selbstkritisch ist das aber trotzdem nicht.

Außerdem war ich nie auf dem Standpunkt, dass meine „Erziehung“ die richtige sei, ein wenig auf einander zukommen muss man sich als Eltern schon.

Seit 6 Tagen ist mir bewusst, es war die falsche Entscheidung.

Mit meiner Krankheit kam der Wendepunkt. Ich sah in dieser Krankheit die Chance zu Überleben und meine Kinder weiter begleiten zu können. Mein Mann sah in mir eine nicht mehr funktionstüchtige, schwache und abstoßende Frau. Seine erste Reaktion auf meine Diagnose. „Hör mal langsam auf zu heulen“ und „was soll ich denn bitte sagen“. Ich habe es tatsächlich runtergeschluckt. Mein jüngstes Kind war 7 Tage alt. Wie ist es für eine Mutter, wenn man ihr sagt, dass sie eine lebensbedrohliche Erkrankung hat? Ich habe dabei nie an mich gedacht, sondern nur an meine Kinder. Der Gedanke, dass sie ohne mich aufwachsen würden, war unvorstellbar schmerzhaft.

Ich musste kämpfen, ich konnte sie doch niemals mit diesem Menschen zurücklassen. Insgeheim hoffte ich aber während der gesamten Behandlung, dass mein Mann endlich die Bedeutung meiner Person erkannte.

Wenn die Nebenwirkungen so stark waren, dass ich dachte ich würde nicht wieder aufwachen, verweigerte er mir seine Nähe. Ich war allein und ich fühlte mich allein. Mein großes Kind, gerade eingeschult, nahm mich in den Arm, sagt mir, dass alles gut wird. Ich sah seine Angst in den Augen. Ich konnte ihm nicht versprechen gesund zu werden, aber ich versprach ihm alles dafür zu tun. Ich funktionierte weiter. Nichts änderte sich bei uns. Der Alltag lief wie gehabt.

An dem Tag als mir gesagt wurde, dass die Behandlung erfolgreich war, war der Himmel auf einmal für mich blauer als vorher. Ich wollte leben, ich hatte Energie, ich hatte eine 2. Chance bekommen. Als ich meinen Mann anrief, um es ihm mitzuteilen, erzählte er mich stattdessen, wie blöd meine Mutter sei.

Aber jetzt begann etwas in mir zu arbeiten. Ich hatte mich weiterentwickelt. Ich hatte mich von ihm entfernt. Das merkte er. Nach diesem Tag wurde sein Verhalten noch viel extremer als vorher. Durch meine Behandlungen musste er den Job wechseln und damit vorerst auf seine Karriere verzichten. In regelmäßigen Abständen wurde mir das auch aufs Brot geschmiert. Er verhielt sich wie ein wildes Tier, dass man in einen Käfig eingesperrt hatte. Durch diese Extremsituation wurde er noch stärker in ein Lebenskonzept gepresst, dass er eigentlich nicht wollte. Wäre es nicht normalerweise zu erwarten gewesen, dass man das für seine Familie macht, ohne Vorwürfe?

Jedem wildfremden Menschen erzählt er von meiner Krankheit, um damit im Mittelpunkt zu stehen und daraus Vorteile zu ziehen und das gelang ihm auch.

Es fühlt sich nicht besonders gut an mit einem Menschen zusammen zu leben, der eigentlich ein anderes Leben möchte, es sich aber nicht eingesteht. Ich habe ihn das, in all den Jahren, immer wieder gefragt. Ihm alle Türen geöffnet, ohne Erfolg.

Die Entscheidung sich zu trennen dauerte trotzdem noch an, aber sie kam. Einige Wochen bevor ich Tom kennengelernt habe. Er nahm es nicht ernst. Er sagt ich sei auf einem Selbstfindungstrip und er würde warten, bis ich mich wieder beruhigt hätte. Äußerlich änderte sich bei uns erstmal nichts, aber dafür in meinem Inneren.

Ich habe es wirklich von Herzen versucht es allen in der Familie recht zu machen. Leider habe ich mein ältestes Kind aus den Augen verloren. Ich habe die Zeichen gesehen. Gesehen, wie es leidet zu sehen, wie sein Vater mit mir umgeht, mit anderen wichtigen Menschen und schlussendlich mit ihm selbst. Das volle Ausmaß zeigte sich dann in der letzten Woche.

Nur dem Vater ist es bis heute nicht bewusst, was er mit seinem Verhalten angerichtet hat.

Es ist die Woche des Erwachens der Löwenmutter, aber auch des schmerzhaften Abschieds, auf Zeit – so hoffe ich inständig, von Tom.

Eure Lou

Hier geht es zu den Teilen 1-3

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