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Lou schreibt über…Teil 5

1. Februar 2018

…Statt die Situation zügig und konstruktiv zu lösen, habe ich meinen Focus auf Tom und mich gelegt. das selbe Verhaltensmuster, wie bisher – so dachte ich, aber trotzdem kam alles anders.

Was mein Mann in meinem großen Kind angerichtet hat und ich als mehr oder weniger stiller Beobachter, zeigt erst jetzt sein ganzes Ausmaß. Seit der Trennung leben wir weiterhin zusammen. Es hatte sich nämlich zwischen mir und meinen Mann direkt nach der Trennung ein wenig entspannt und ich hatte vorerst kein Problem mit einer Eltern-WG, solange wir unsere aufgestellten Regeln einhielten, u.a. keine Gewalt. Es begann dann leider damit, dass mein Mann anfing sich sehr viele Freiräume zu nehmen. Jedes Wochenende war er woanders, die Kinder durften nicht wissen wo. Da sein Handy nach den Wochenenden immer heiß lief, konnte ich mir das dann auch erklären, nur eben die Kinder nicht. Das große Kind durchschaute das natürlich recht schnell, denn es kann lesen.

Statt offen damit umzugehen, wurde er auf das große Kind sauer.

Bereits während der Krankheit begann sich das große Kind von seinem Vater zu entfernen. Es tat ihm sehr weh, wie mein Mann mich behandelte. Auch mein Mann distanzierte sich von ihm. Sie spielten nicht mehr und wollten keine Zeit miteinander verbringen.

Hatte mein Mann gerade mal das Bedürfnis mit ihm zu spielen, musste es auf Knopfdruck reagieren. Funktionierte es dann nicht, Ablehnung. So wie es meinem Kind weh tat, so litt ich als Mutter darunter mein Kind leiden zu sehen. Außerdem begann unser Kind Eigenschaften meines Mannes anzunehmen, die nicht besonders schön waren. Es wurde unzufriedener, ungeduldiger und emotionsloser, aber was hatte es auch für eine Wahl. Kinder passen sich an. Es wollte so Aufmerksamkeit und Wertschätzung bekommen, aber die gab es nicht.

Da mein Mann im Laufe der Zeit in seinem Verhalten immer extremer wurde, machte meine „Erziehung“ nur noch wenig Sinn.

Unser Kind wollte nicht mehr zur Schule, hatte kaum noch Lust auf Aktivitäten, die es vorher geliebt hatte. Es zog sich zurück. Spielte viel für sich. Je älter es wurde, umso mehr entdeckte es den Computer und das Handy für sich. Ich hatte manchmal das Gefühl, es konnte sich so aus der Welt ausklinken. Mein Mann fand trotzdem immer etwas an ihm, was ihn störte.

Das er mit sich selbst ein Problem hat, an diesen Punkt ist er bis heute nicht gekommen.

Wenn ich da an mich denke, passiert mir das auch oft bei meinem Mann. Ich klinke mich aus. Ich bin dann nur noch körperlich anwesend und warte bis sich der Sturm gelegt hat. Mein großes Kind hat mir in den letzten Wochen dann endgültig die „rote Karte“ gezeigt. Es wurde in der Schule immer auffälliger, erst mit Schimpfwörtern, dann mit anderen Kleinigkeiten, zum Ende reagierte es extrem mit Gewalt, aber ausschließlich in der Schule. Einmal passierte es direkt nach einem Zusammenprall zwischen ihm und meinem Mann, einen Abend zuvor. Mein Kind machte das mit einem Kind, was sein Vater zuvor mit ihm getan hatte. Und die Abstände wurden immer kürzer.

Ich bekam Anrufe von der Schule, ich solle es abholen. Vor wenigen Tagen dann die Suspendierung aus dem Ganztag, für einen Monat. Mein Mann sah in seinem Verhalten keinen Fehler. Vielmehr waren es die anderen Kinder und Lehrer, die zu einer solchen Eskalation beitragen würden. Ich musste Handeln, meinen Focus neu ausrichten, mich wieder neu überdenken.

Erste Konsequenz

Mein Mann muss gehen.

Meine guten Freundinnen, die mich durch meine Zeit begleiten, sind bereits länger der Auffassung, dass er gehen müsse. Mein Argument war bisher, dass er die anderen Kinder eigentlich gut behandeln würde. Aber auch bei den jüngeren Kindern nahmen die Handgreiflichkeiten und Beschimpfungen zu.

Außerdem erlebten die Kinder den Umgang mit mir, Zusammenleben also keine Option.

Als ich ihm vor kurzem sagte er müsse gehen, eskalierte es zwischen uns. Seine Reaktion war heftig und er tat mir leid, weil er nicht in der Lage ist, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und so Konflikte konstruktiv anzugehen. Er kennt nur ein Mittel und das ist Gewalt.

Er versteht nicht wirklich den Grund, warum er gehen muss. Er macht es, weil er merkt, dass es keinen Ausweg mehr zu geben scheint.

Zweite Konsequenz

Tom und ich müssen erst einmal einen Weg finden unsere Leben zu ordnen, also jeder für sich.

Als sich die Situation mit meinem Kind und meinem Mann zuspitzte, hatte ich erst ein schlechtes Gewissen. Hatte ich meinen Focus zu sehr auf meine neue Liebe gelenkt und dabei mein Kind aus den Augen verloren? Oberflächlich betrachtet war das vielleicht so, aber es ermöglichte mir kurze Fluchten und Abstand zu meinem Leben. Was ich damit genau meine, schreibe ich in der nächsten Woche.

Ich war nie allein weg oder verbrachte ein Wochenende mit Freundinnen. Es war bereits ein Kraftakt durchzusetzen, dass ich einmal in der Woche zum Sport ging. Mein Mann konnte die Kinder da gut instrumentalisieren. Oft waren die Kinder so traurig, dass ich dann doch zuhause blieb.

Bis zur emotionalen Lösung von meinem Mann wollte ich auch nicht gern allein sein, ich fühlte mich unwohl.

Die letzten zwei Wochen waren geprägt durch Tränen, Angst, Verzweiflung und Liebe. Im Moment geht es mir so gut, wie noch nie in meinem Leben. Undenkbar, für die die mich vor zwei Wochen gesprochen haben. Ich bin Schritte gegangen, es ist kaum zu fassen. Tom geht es ähnlich. Wir haben uns viele Fragen gestellt und uns viele Antworten gegeben, jeder für sich.

Eure Lou…

Die Teile 1-4 finden sich hier.

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