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„Mama, bist du stolz auf mich? „

7. November 2016

Mein Mann und ich haben The Voice of Germany geschaut und uns ist richtig aufgefallen, wie dieser Satz durch die Kandidaten rauschte. „Ja, es läuft gerade nicht so mit meinen Eltern….Ich möchte, dass sie hier und heute stolz auf mich sind.“ oder „Ja ich habe mich geoutet, habe auch eine Weile nicht Zuhause gewohnt. Ich hoffe jetzt, nach dem Auftritt, dass meine Mama stolz auf mich ist

Puh. Eigentlich hat Michi das Thema aufgemacht. „Leen – findest du, dass -Stolz- da so passt? Das ist für mich irgendwie nicht passend. Irgendetwas passt nicht. Wie siehst du das?“

Ja, wie sehe ich das?

Ich frage mich, für wen singen diese 16, 20, 25 jährigen jungen Menschen? Für sich selbst, aus tiefstem Herzen, weil sie Sänger_Innen sind und die Bühne ihr Leben ist oder für Anerkennung? Singen diese Menschen vielleicht auch um die Anerkennung und die Liebe der Mutter zurück zu gewinnen? Um von ihren Eltern gesehen zu werden?

Ist die Bühne vor einem Millionenpublikum das, was es endlich braucht, damit ich mich geliebt fühle? Damit sie stolz auf mich ist, obwohl ich eine Lesbe bin? Stolz, weil ich gerade eine Krise habe und jetzt beweisen will, dass ich auch etwas auf die Reihe bekomme?

Ich stelle das jetzt hier auch bewusst etwas provokativer dar,weil ich auf ein Thema dahinter schauen will – Bedingungslose Liebe!

Liebe ich als Mutter, wir als Eltern unser Kind bedingungslos, wenn es gerade eine Krise hat und uns besonders braucht? Liebe ich mein Kind, wenn es mir in der Pubertät erzählt, dass es homosexuell oder bisexuell ist? Liebe ich mein Kind bedingungslos, wenn es einen „Fehler“ gemacht hat? Muss mein Kind sich meinen „Stolz“ verdienen, indem es zu The Voice geht oder liebe ich mein Kind einfach bedingungslos!? Bedingungslos, weil es mein Kind ist? Bedingungslos, weil wir uns damals entschieden haben, ein Kind zu bekommen? Bedingungslos, weil ich mir bewusst bin, dass mein Kind  ein eigenständiger Mensch ist, mit eigenen Gefühlen, einem eigenen Weg, eigenen Gedanken und Glaubenssätzen?

Wir sind nicht die Puppenspieler in einem Theater namens Elternschaft, indem die Puppen in die Ecke fliegen, wenn sie nicht so funktionieren, wie wir es möchten. Wir sind Menschen, die gemeinsam in Beziehung leben, in der jeder das Recht hat, sich selbst zu leben, den eigenen Weg zu gehen und Fehler zu machen, um aus ihnen zu lernen.

Eure Leen

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