beziehungsorientierte, bedürfnisorientierte und bindungsorientierte Begleitung Blog

Selbstfürsorge und Attachment Parenting

1. September 2017

Wir, im Seidenraupenkätzchenhaus, begleiten unsere Kinder bindungs-, beziehungs- und bedürfnisorientiert. Unsere Tochter ist 2 Jahre alt und unser Sohn gerade erst geboren. Wir schlafen alle zusammen im großen selbstgebauten Familienbett und ich stille meinen Sohn nach seinem Rhythmus, nicht nach der Uhr. So habe ich es auch schon bei meiner Tochter gemacht, bis sie sich selbst abstillte. Wir halten unseren Sohn ab, also wir versuchen das sogenannte „Windelfrei“, was eigentlich eine Art von Kommunikation ist. Wir  lassen unsere Kinder nicht schreien, nie und besonders nicht nachts. Wir haben ein Tragetuch und zwei Tragehilfen aber auch einen Kinderwagen und Croozer. Wir nutzen das, was gerade zu unseren Bedürfnissen passt. Wir nehmen die Signale der Kinder wahr und ihre Bedürfnisse sehr ernst, aber auch unsere eigenen. Diese Haltung, mit ihren „Bausteinen“, ist für mich Attachment Parenting und wird von uns so gelebt. 
Dazu gehört aber wirklich auch, eine Balance zwischen sich selbst, den eigenen Bedürfnissen und denen der Kindern zu halten. 

Susanne Mierau läd zur Blogparade ein, und möchte wissen, was Selbstfürsorge und Attachment Parenting für mich bedeutet!?

Ich empfinde gerade die erste Zeit als Zweifachmama sehr intensiv. Wir leben krippenfrei und die Kinder sind zuhause bei mir. Ich habe seit 2015 Elternzeit. Meine Tochter ist so wunderbar zu ihrem Bruder, will jedoch vermehrt und intensiv Körperkontakt zu mir. Das besonders auch am Abend und nachts. Ich bin ehrlich, es ist momentan eine zährende Phase, aber es ist auch ganz viel Liebe da. Ich bin so glücklich, mit diesen zwei Kindern gesegnet zu sein. 

Ich stehe fest hinter dem AP- Gedanken und sehe es als richtigen Weg für unsere Familie. Ich fühle mich damit wohl. Ich bin hochsensibel und muss sehr auf meine Belastungsgrenzen schauen. Ich fühle sehr intensiv und spüre meine Grenzen, weil ich das jahrelang ernst nahm und zu diesen Grenzen schaute. Das kommt mir jetzt zugute. Wenn ich merke, dass es mir mit den Kindern zu viel wird und ich eine Pause brauche, dann sage ich das. Meine Tochter darf ihre Gefühle natürlich auch zeigen und wir begleiten sie dabei. Wenn ich diese Pause für mich habe, z.B. mit einem Bad in der Badewanne, dann schicke ich sie auch raus und nehme mir den Freiraum. AP bedeutet für mich nicht, meinen Kindern jegliche Frustration zu nehmen. Der Wunsch, z.B. im Bad bei mir zu sein, kann an diesem Tag dann nicht erfüllt werden und das ist auch in Ordnung so. Es ist wichtig und richtig Mama-Zeit zu organisieren.

Im Alltag habe ich meine Familie und Freunde hier und frage dann nach Hilfe, wenn ich sie brauche. Oft hift mir aber schon, es auszusprechen, mich mal so richtig verbal auszukotzen. 

Ich habe mir Strategien für meine Selbstfürsorge entwickelt, die mir gut tun und mich weiter bringen und diese in 10 Punkte aufgelistet.

1. Auskotzen

Dazu zähle ich auch das gerade beschrieben Auskotzen. Ich habe wirklich tolle Gesprächspartner*innen, wenn ich jemanden zum Reden brauche. Probleme zu benennen hilft mir persönlich sehr.

2. Oma- und Opatag

Einmal in der Woche geht meine große Tochter zu Oma und Opa. Sie mag diesen Tag sehr und ich habe dann etwas Zeit für mich.

3. Arbeitsteilung 

Mein Mann und ich teilen die Aufgaben in der Familie. Ich bin somit nicht für den Haushalt und die Kinder allein verantwortlich, nur weil ich in Elternzeit bin. 

4. Serien

Ich schaue abends bei der Einschlafbegleitung im Familienbett Serien über das Handy. Ich nutze dazu Kopfhörer und bin somit bei den Kindern und kann dabei abschalten und ausruhen.

5. Grenzen benennen

Ich sage meinem Mann und meiner Tochter, wenn etwas für mich zu viel wird oder nicht geht. Alle Bedürfnisse bei uns sind wichtig, auch meine als Mutter. Ich bin nicht die „Sklavin“ meiner Familie. Wie sollen unsere Kinder lernen, ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen zu wahren, wenn wir es ihnen nicht vorleben!? 

6. Freund*innen

Ich habe ganz tolle Freundinnen, mit Kindern im gleichen Alter. Wir haben eine WhatsApp-Gruppe und wir sind wirklich sehr eng. Gestern z.B. hatte ich eine richtig anstrengende Einschlafbegleitung und habe meine Gefühle mit meinen Freundinnen in der Gruppe geteilt. Das hat so viel geheilt und mich wieder so richtig beruhigt. Eine meiner wichtigsten Selbstfürsorge-Instrumente sind diese Mädels. Ich liebe sie und kann mir das Mama-Sein ohne sie nicht vorstellen. 

7. Soziale Kontakte 

Ich versuche mich regelmäßig mit meinen Freunden zu verabreden. Brunch oder Kaffee am Nachmittag sind momentan gute Lösungen, da ich abends die Zeit lieber Zuhause verbringe, solange die Kinder noch so klein sind. Ich bin auch gern unterwegs und besuche Verwandte und Freunde. Ich mag es nicht isoliert zu leben, also tue ich etwas dafür, dass dies nicht passiert.

8. Dates mit dem Mann 

Montags habe ich immer ein Date. Mein Mann und ich gucken dann z.B. Game of Thrones und essen irgendetwas Ungesundes wie Nachos mit Käse. Ich freue mich darauf, auch wenn es „nur“ ein TV-Abend ist. 

9. Gelassenheit üben 

Ich habe gelernt oder besser gesagt lerne gerade, auch mal Dinge nicht sofort zu erledigen. Ich habe einen hohen Anspruch an mich selbst. Mit zwei Kindern werde ich wieder intensiv daran erinnert, Gelassenheit zu üben. Das ist ein großes Thema von mir und ich bin immer mal mehr und mal weniger damit beschäftigt, daran zu arbeiten. Gerade ist es wieder mehr. Meine Kinder zeigen mir meine Stärken, aber auch meine Schwächen auf und ich habe durch sie die Möglichkeit zu wachsen. Dafür bin ich sehr dankbar und ich möchte es nicht missen, denn meine Kinder sind meine Spiegel. 

10. negative Gefühle annehmen

Ich bin auch mal genervt und wütend. Ich akzeptiere das an mir und schlucke diese Gefühle nicht herunter. Ich kann eines aber gut: Ich kann „Es tut mir leid“ sagen. Das finde ich im Leben wichtig. Wir sind nicht perfekt und keine Roboter, aber wir lernen dazu und können unseren Kindern ein Vorbild sein. Dazu zähle ich auch, dass ich über Verhaltensweisen mit den Kindern sprechen kann. Hauptsache ich lächele nicht, wenn ich mich nicht nach einem Lächeln fühle. Ich nehme lieber meine Gefühle an und arbeite damit.

Ich weiß, dass es eine bestimmte Zeit ist, in der ich so intensiv von den Kindern gebraucht werde. Es ist eine Zeit, die wahrscheinlich schneller vorbei sein wird, als ich denke oder es erahne. Es ist eine Zeit, die ich nutze, um einen Grundstein an Vertrauen zu legen. Eine Zeit, nach der ich mich sicher irgendwann sehnen werde. Es ist eine intensive Zeit mit Höhen und Tiefen, die da ist um gefühlt zu werden und mich damit aufräumt und erdet, an meine Grenzen bringt und mir hift, die Bandbreite meiner Gefühle zu fühlen und einen Bezug zu all ihnen zu bekommen. Das ist ein Geschenk.

Eure Leen 

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4 Comments

  • Reply Mrs. Elternabenteuer 3. September 2017 at 00:27

    Wirklich toll zusammengefasst. Es ist wichtig die Balance zu halten und Sohn selbst nicht zu vergessen. Leider kommen bei uns die Dates zu kurz, da ich fast immer bei der Einschlafbegleitung mit einschlafe….;-)

    • Reply Leen 3. September 2017 at 17:46

      Hallo! Ich bin eher spätaktiv und schlafe meist nicht vor 23/24 Uhr. Da hab ich noch ein größeres Zeitfenster,hehe. Liebe Grüße

  • Reply marie 12. September 2017 at 22:39

    Oh Leen, sehr sehr schön – danke! (Und apropos soziale Kontakte – wir müssen uns bald mal wieder sehen!)

    • Reply Leen 13. September 2017 at 15:15

      Daran habe ich auch schon gedacht. Es wird mal wieder Zeit!Liebe Grüße

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