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Beziehung statt Erziehung – A.z.U. am Beispiel!

5. September 2016

Wie ihr wisst, stehe ich sehr hinter der Beziehungs- statt Erziehungshaltung!

Manchmal habe ich aber einfach ein Brett vor dem Kopf! Ich hatte da so eine Situation, die mich förmlich fast in den Wahnsinn getrieben hat – das Windeln wechseln!

Und zwar lief es so ab:

Ich legte das Seidenraupenkätzchen (toll, dass das Scheibprogramm das Wort schon selbst erkennt, es ist wirklich ein langes Wort!) auf den Wickelplatz und wollte behutsam die Windeln wechseln. Doch da brach er schon aus, der Vulkan. Nicht ein kleiner, nein ein riesiger und laut tosender Vulkan. Lautes Schreien bis zu meinen Nachbarn. Ich redete sanft und ruhig auf sie ein, streichelte sie, nichts half. Mit Mühe und Not machte ich ihr eine neue Windel um. Ich bin eine Viel-Wechsel-Mama. Viel-Wechsel-Mama aus dem Grund, weil ich glaube, dass es sehr unschön ist, lange in seinen Soßen liege zu müssen. Nun gut!

Warum Brett vor dem Kopf!?

Manchmal sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht! Ich weiß mittlerweile so viel über Beziehung statt Erziehung und komme beim Windeln wechseln einfach nicht auf die Lösung – nämlich in Beziehung zu treten.

Planänderung – Es läuft jetzt so ab! 

Ich sage dem Seidenraupenkätzchen, dass ich ihr eine neue Windel machen möchte! Pause!

Ich sage ihr, dass ich sie jetzt hinlegen möchte und ihr eine frische Windel ummachen möchte. Als nächsten Schritt zeige ich ihr die Windel. Dann frage ich sie, ob ich ihr eine Windel ummachen darf. Ich schaue ihr dabei wirklich in die Augen und spreche sie direkt an. Wenn sie mit dem Kopf schüttelt, sagt sie mir damit, dass sie es nicht möchte. Ich warte dann noch etwas ab, meist singen wir und beim zweiten Versuch ist es dann schon fast immer ok und ich darf anfangen.

Diese Gesprächskultur läuft jetzt seit vier Wochen und sie weint und schreit nicht mehr! Halleluja, sie weint und schreit nicht mehr beim Wechseln der Windeln!

Ich bin in Beziehung gegangen!

Ich kann doch nicht einfach irgendwas an ihrem Körper vollziehen, ohne vorher zu fragen! Das ist mir nun auch endlich klar. 

Ich möchte versuchen, es an einem anderen Beispiel noch einmal zu verdreutlichen. Es geht ja im Großen und Ganzen auch um Grenzüberschreitungen. Ein Mensch möchte etwas nicht (Windeln wechseln) – ich ignoriere das Weinen und mache es trotzdem ohne eine Einwilligung. Ein krasses Beispiel von einem Bartträger (24cm und über Jahre wachsen lassen), 20 Jahre alt, der von einer Party nach Hause kam, sicher nicht ganz nüchtern, und am nächsten Tag mit einem kurzen Bart aufwachte! Seine Mutter hatte ihm über Nacht den Bart abgeschnitten, weil dieser Hippie- Bart nicht ihren Vorstellungen entsprach. Die Wut des jungen Mannes könnt ihr euch vorstellen, oder!? Ihr sagt jetzt sicher, ja, ist ja viel krasser, aber ist es das wirklich!? Ich legte mein Baby ja auch einfach ohne zu fragen auf die Wickelkommode, zog die Hose aus und wechselte die Windel! So ging die Mutter nachts ins Zimmer, nahm die Schere und schnitt den Bart ab. Beide Situtuationen verdeutlichen, was Erziehung machen kann und wie wenig Beziehung in beiden Beispielen vorhanden war.

Der Mann im Beispiel ist mein Papa. Dieses Ereignis hat sich bei ihm wirklich eingebrannt. Ich glaube, ich habe diese Geschichte bestimmt 100Mal gehört.

Noch ein anderes Beispiel. Ich schlenderte mit meiner Mama, meinem Mann und dem Seidenraupenkätzchen in der Trage über den Flohmarkt. An einem Stand interessierte ich mich für ein Buch und wollte gerade mit dem ca. 10 jährigen Jungen in Verhandlungen treten. Er schlug mir 4 Euro für zwei Bücher vor, fragte dann sofort nochmal seine Mutter. Sie stürmte auf ihn zu, sagte laut: „sei ruhig“und schlug ganz leicht mit ihrer Hand auf den Mund des Jungen. Dann sagte sie, es sei ihr zu wenig, zwei Euro pro Buch.

Was möchte ich euch damit erzählen!?

Ich habe mich so schlecht gefühlt! Wie muss sich dann erst dieser charmante junge Kerl gefühlt haben!? Er wirkte so stolz über sein Geschäft! Sie kam angestürmt, war beziehungslos und machte all seine Arbeit platt, wegen vielleicht einem Euro Differenz. Wirklich sehr schade!

Ich erzähle euch das alles, damit wir alle zusammen nicht diese „Fehler“ machen, denn wir wissen es nun einmal „besser“ also die Generationen vor uns. Wir haben die Möglichkeiten zu lesen und uns mit beziehungsfördernder Literatur einzudecken, wir haben das ganze WWW und alle Möglichkeiten um an Informationen zu gelangen. Lasst uns die Beziehungen zu unseren Kindern, Familien und Freunden gehen, am besten noch gleich von Anfang an, anstatt sie verkümmern zu lassen, oder sie zu zerstören.

Ich plädiere für die Beziehungsarbeit! 

Atmet durch, bevor ihr tätig werdet. Denkt an die Gefühle des Gegenüber und ob „erzieherische Mittel“ die vielleicht daraus resultierende gebrochene Beziehung wert sind!? Die nachfolgenden Generationen werden es uns sicher danken, wenn wir die Beziehungsarbeit mehr in unser Leben einflechten würden!

Eure Leen

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2 Comments

  • Reply Thomas 10. Dezember 2016 at 13:43

    Ich verstehe nicht, wieso Beziehung und Erziehung Gegensätze sein sollen. Meiner Erfahrung nach kann man durchaus eine gute Beziehung zu seinem Kind haben und es erziehen oder umgekehrt.
    Außerdem finde ich die Beispiele schon alleine wegen der großen zeitlichen und entwicklungspsychologischen Unterschiede nicht stimmig.

    • Reply Leen 11. Dezember 2016 at 12:07

      Hallo Thomas. Von Erziehung halte ich nichts, aber da macht jeder seine eigenen Erfahrungen. Ich habe beruflich und auch privat meine eigene Erfahrungen gesammelt und mich daraufhin für den Weg aus der Erziehung heraus entscheiden. Liebe Grüße Leen

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