beziehungsorientierte, bedürfnisorientierte und bindungsorientierte Begleitung Blog

Warum mein Leben nichts mit dem einer Helikoptermutter zu tun hat!

26. Juni 2017

Dieser Beitrag könnte etwas Sarkasmus und einige Wortneuschöpfungen enthalten. 

Der bindungs-beziehungs- und bedürfnisorientierte Weg wird oft mit der Helikopterelternschaft verwechselt. So erlebe ich es und höre es auch in meinem Umfeld. 
Menschen denken z.B. ich würde wie ein lustig brummender Helikopter den ganzen Tag über meinem Kind kreisen und es anleiten zu leben, weil es ohne mich dazu nicht fähig wäre. Nun gut, dazu jetzt mehr.

Ich bin leider kein lustig brummender Helikopter, sondern eine Frau, die sich Gedanken gemacht, gelesen, sich moderne Forschungen und ärztliche Publikationen gegönnt hat. Das Ganze gekoppelt mit meinem Bauchgefühl, welches durch eine beziehungsorientierte Kindheit und Jugend entstanden ist und ich jetzt meinen Weg gehe. Ein Bauchgefühl kann auch täuschen, wie ich es beim Gewünschtesten Wunschkind erfahren habe.

Ich nenne meinen Weg die 3 B’s auf dem Blog. Wer das mit einer Helikopter-Elternschaft verwechselt, hat, so tut es mir leid, einfach nur ein x-beliebiges Wort für eine ganz wirklich bedachte Elternschaft-Bewegung eingesetzt und ausgetauscht. „Hey, die Leen mit ihrem Blog ist doch auch nur so eine Helikopter-Mom und ihr Kind wird später eine kleine Tyrannin, weil sie es verhätschelt.“ 

Ich möchte auch dazu sagen, dass eine Helikopter-Elternschaft oft auch Probleme mit sich trägt. Die Eltern tragen Geschichten aus ihrer eigenen Biografie mit in ihre neue Elternschaft und wollen es oft einfach „besser“ machen, als ihre eigenen Eltern zuvor. Sie engen ihre Kinder dadurch aber in deren Entwicklungen ein. Da ist die Krux in diesen Elternschaften. Helikopter-Parenting ist nicht so abzutun, finde ich, und sollte nicht immer und überall als Schimpfwort oder Witznummer beschrieben werden. Eltern sind einfach auch manchmal orientierungslos und handeln aus Liebe zum Kind heraus, mit sicherlich den besten Zielen. Diese Form der Elternschaft bringt jedoch so manche Problematiken mit sich. 

Mein Ansatz 

Ich persönlich möchte, dass meine Kinder zu selbständigen und selbstbewussten Personen reifen. Das passiert, meines Erachtens, nicht von ungefähr, sondern indem wir ihnen als Eltern, altersbedingt, sehr viel Sicherheit, Liebe und Vertrauen geben, ihre Bedürfnisse achten und schätzen und die Bindung stärken. Altersbedingt schreibe ich, weil die Bindung reift und die Wurzeln zu Flügeln werden.  Ich nenne es auch gern Gummiband, welches sich weiten kann und über die Jahre auch weiten sollte ohne jedoch gleich zu reißen. 

Wir sind gerade dabei mit unserer Haltung die Basis dafür zu legen, denn unsere Tochter wird 2 Jahre alt. Es ist ein Weg, unser Weg, ein Prozess! Wir lernen alle dazu. Das Dazulernen macht es irgendwo für mich auch aus. Ich finde es wichtig weiter zu gehen, zu lernen und nicht stehen zu bleiben. 

Schaffen wir das, indem wir hart an unseren Kindern herum erziehen, sie brechen oder sie zu übervorsichtig behandeln!? Ich bezweifele das sehr stark. 

Sätze wie: “ Das hat mir auch nicht geschadet“ sind sowas von 90iger, das ist Fakt. Ich mag die 90iger, das steht außer Frage, aber wir sind eine neue Generation und sollten solche Gedanken einfach nicht mehr so tief in uns verwurzeln lassen. Es schadet aber auch, wenn unsere Kinder keine eigenen Erfahrungen machen können, weil wir permanent um sie herumfliegen „Ahhh sei vorsichtig, du könntest fallen usw.“. 

Besonders schadet es, wenn man als Kind geschlagen, psychisch und körperlich misshandelt oder zu was weiß ich was genötigt oder gezwungen wurde. 

Wir müssen nicht den ganzen Kram unserer Eltern und Großeltern schallplattenartig nachqutaschen. Wir müssen aber auch nicht alles in Frage stellen und unsere Kinder überbehüten und sie propellerartig überwachen. Wir können eigene Erfahrungen sammeln, neue Wege gehen und sie auch mit alten Wegen verknüpfen. 



Härte, Gefügsamkeit und Gehorsam sind Erziehungsmethoden für Kinder, die sie auf die Welt vorbereiten sollen? Werden diese mit solchen Werten 2030 in ganz neuen Lebenwelten und Strukturen klar kommen? Ich glaube nicht daran! Wir wissen überhaupt nicht, was gesellschaftlich auf uns zukommt, aber es wird kreative Köpfe brauchen, das steht außer Frage und keine kleinen Soldaten und Soldatinnen, die aufs Wort hören und gesellschaftlich wie Marionetten funktionieren, ohne eigene Gedanken und Meinungen.

Nur weil ich eine Meinung habe, dafür einstehe, für Kinderrechte bin, über weltoffene Haltungen schreibe, bin ich noch lange keine Helikoptermutter. Nur weil ich liebevoll, beziehungsorientiert, bedürfnisorientiert und bindungsorientiert begleite, bin ich keine Helikoptermutter. Ich bin die neue Generation Elternschaft, die die Augen aufgemacht hat und hinfühlt, was für die eigene Familie passt! 

Wir leben die 3 B’s! In unserem persönlichen Fall war das erste Jahr ein absolutes Bildungsjahr zwischen unserer Tochter und uns. Wir waren da, nahmen ihre Gefühle ernst und handelten dementsprechend. Sie lernte, dass sie gut so ist, wie sie ist und ernst genommen und geliebt wird, wie sie ist. Wir lernten auch so viel über uns als Menschen, als Eltern und entwickelten und entwickeln uns weiter. 

Ich setzte unsere Tochter nicht hin, ich drehte sie nicht hin und her und ließ sie immer hinfallen, wenn sie stolperte. Wenn sie weinte war ich zum Trösten da. Wenn sie vor Wut weinte und schrie, begleitete ich sie. Ich ließ sie ihre Erfahrungen machen. Ihre Synapsen im Gehirn vernetzten sich nach ihrem Tempo und ich nahm ihr keine Entwicklungsmöglichkeiten weg, indem ich um sie herum helikopterte. Alles zu seiner Zeit oder wie man auch so schön sagt: „Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn wir daran ziehen.“

Unser Kind isst so viel, wie es selbst für richtig empfindet. Nach ihrem eigenen Bedürfnis und Gefühl heraus. Ich habe niemals Brei in sie hineingequetscht, aus dem eigenen helikopterösen Bedürfnis oder der Angst, dass sie verhungern würde. So schnell verhungern wir nicht am gedeckten Tisch in unserer wohlhabenden Gesellschaft. Ich habe ihr vertraut und sie aß immer genauso viel, wie ihr Körper brauchte. Ich ließ sie auch allein essen, auch wenn die Küche danach katastrophal aussah. Auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung achten wir, es gibt aber auch Mal ein Eis. Wir sind keine dogmatischen Gesundlinge, aber wir schauen schon hin.

Wir setzen unser Kind jedoch nicht mit Massen an Süßigkeiten und Chips vor den Fernseher und sehen zu, wie die Adipositas der Gradzahl nach wächst und steigt, nein das machen wir nicht. Wir haben die Verantwortung. Wir erfüllen auch nicht jede materielle Idee und werden es auch nicht tun, nur weil mein Kind einen Wunsch nach irgendetwas hat. Ich helikoptere nicht sofort zum nächsten Laden und kaufe meinem Kind Unmengen Zeug, nur weil mein Kind es haben möchte. Ich frage mich dann, was ist wirklich das Bedürfnis dahinter und bin da, um es zu kommunizieren und zu begleiten. Ich frage mich Dinge und gehe in den Austausch mit meinem Mann, meiner Familie und meinen Freunden, lese und reflektiere mich selbst. 

Niemals und das sage ich jetzt hier ganz laut, lasse ich mein Kind weinen oder ferbere nachts mit der Seele dieses Menschens herum. Das ist für mich undenkbar. Da zu sein, auch nachts, hat absolut nichts mit einer Helikopter-Elternschaft zu tun.  Ein Familienbett auch nicht. Das sind ganz natürliche Wege des Schlafens und des menschlichen Zusammenlebens,  aber auch da findet jede Familie einen eigenen Weg. Ich finde es anmaßend, das Familienbett und die Bedürfnisorientierung mit einer Helikopter-Elternschaft zu diffamieren. Auch wir haben das Recht so zu leben, wie wir es möchten. Ich kritisiere auch keine Eltern, die sich für das Kinderbettchen im eigenen Zimmer entschieden haben. Es findet jede Familie den passenden Weg. Wir in unserem Fall begleiten ein Kleinkind im Familienbett in den Schlaf. Viele Kleinkinder brauchen nachts einfach noch eine intensivere Aufmerksamkeit und Begleitung, denn jedes Kind ist einfach anders und hat eigene Bedürfnisse.

Ich könnte noch so einige weitere Beispiele nennen. Ich wollte heute einfach nur aufzeigen, dass die ganze Thematik aus zwei Paar Schuhen besteht und manche Wörter auch zu wahllos benutzt werden. 

Eure Leen 

 

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4 Comments

  • Reply Miriam 27. Juni 2017 at 09:57

    Liebe Leen,
    das ist ein sehr schöner Artikel. Ich finde wir lassen und alle zu schnell Stempel aufdrücken und stecken andere ebenfalls schnell in Schubladen. Beim Thema Mutterschaft / Erziehung gibt es nicht nur A oder B sondern 3B 😉 oder C oder D
    Ich würde mich definitiv als Mutter sehen, die eher Beziehung statt Erziehung betreibt, denn mir ist es sehr wichtig, dass das Gefühl der Liebe überwiegt und ich nicht unsinnige Grenzen setze. Dennoch traue ich mich irgendwie nicht an den Begriff „Bedürfnisorientiert“ weil ich mich zu diesem Thema viel zu wenig belesen habe und mich daher schlecht einordnen kann.
    Den begriff Helikoptermutter kenne ich übrigens nur im Bezug auf Mütter die ihr nicht nicht mal eine Rutsche alleine rutschen lassen weil sie Angst haben, ihnen könnte was passieren. Also quasi eher „überängstliche“ Mütter.

    Ich werde mich mal durch deinen Blog lesen 🙂

    Liebe Grüße
    Miriam
    von http://www.howimetmymomlife.de

    • Reply Leen 27. Juni 2017 at 10:10

      Hallo Miriam! Danke für deine Rückmeldung!Du hast Recht, das Leben hält so viel Facetten und Wege bereit. Jeder findet den seinen.Wir sind auch auf dem Weg und ich lerne Monat für Monat dazu!Falls du noch ein paar gute Blogtipps brauchst, helfe ich dir gern weiter. Melde dich einfach bei Facebook oder so. Ganz liebe Grüße Leen

  • Reply Hanna 3. Juli 2017 at 14:18

    Schlimm genug, dass so vieles von dem, was du schreibst, noch nicht selbstverständlich für Eltern ist…

    • Reply Leen 4. Juli 2017 at 11:51

      Hallo Hanna, es ist wirklich noch viel Aufklärung nötig und dafür schreiben wir ja alle. Ich denke wir sind auf einem guten Weg.

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