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Was mich am Dorf manchmal wahnsinnig macht.

16. Januar 2017

Ich mag mein Dorf. Ich mag die Ruhe, das soziale Gefüge und ich mag es, dass alles irgendwie ein bisschen durchschaubar ist und ich weiß, mit wem ich es zu tun habe. Meistens jedenfalls. 

Was mich gerade emotional umtreibt ist, dass dieses soziale Gefüge eben immer etwas zu sagen hat und immer mit allen Augen auf alles guckt.

Ein Bespiel

Meine Freundin ist schwanger. Bevor sie es eigentlich für sich so richtig klar bekommen konnte, hatte sich schon wieder irgendjemand verquatscht und alle redeten darüber. 

Was mich an der ganzen Sache stört ist nicht, dass sich die Gemeinschaft freut und darüber spricht. Für mich ist es befremdlich, dass hinter dem Rücken getratscht wird. Einfach die Person, um die es geht, anzusprechen, ist irgendwie nicht möglich. Statt dessen werden alle Leute auf der Straße angesprochen, ob es denn stimme und so geht das Feuer von Haus zu Haus. 

Machen sich eigentlich die Menschen Gedanken darüber, wie sich die betroffene Person fühlt? Gedanken, dass eine Schwangerschaft etwas Intimes ist und vielleicht nicht schon beim Bäcker, vor der 12. Woche der Schwangeren, an Oma Trude erzählt wird? Oder was ist, wenn mal etwas nicht gut geht? Dann weiß es jeder und die Frauen selbst haben keine Möglichkeit mehr, entscheiden zu können, wie sie mit der Thematik umgehen möchten.

Es soll tatsächlich Frauen geben, die keinen Schwangerschaftstest bei Facebook posten oder jedem gleich am selben Tag davon erzählen und ihr Privatleben gern für sich behalten, bis der Bauch zum Vorschein tritt. 

Stellt sich nur schwierig an, wenn einfach immer Grenzen überschritten werden. Du kannst Glück haben und es gerät an Empathen, die lieber die Person persönlich ansprechen. So kann wenigstens noch besprochen werden, dass sie/er es noch ein paar Wochen für sich behält. Du kannst aber auch an die Lästerfraktion geraten, die es einfach jedem erzählen, obwohl es erst einmal nur als Gerücht im Raum steht.

Warum schreibe ich das? 

Ich finde es iregendwie schöner, bei sensiblen Themen einfach mal kurz nachzudenken. Sich in sein Gegenüber zu versetzen finde ich in solchen Momenten ratsam und wenn man seine innere Neugier nicht zämen kann, dann würde ich die betroffene Person einfach ansprechen. In direkte Kommunikation zu gehen hilft,  sich in den anderen einzufühlen und so stelle ich mir das Dorf/die Gemeinschaft auch in meinen Träumen vor. Von Angesicht zu Angesicht und nicht hinter dem Rücken. Das würde ich mir echt mehr wünschen. 

Sonst mag ich mein Dorf. Ich habe mir ja diesen Lebensentwurf und Ort ausgesucht. Aber nur weil ich im Dorf lebe, muss ich nicht über alle Grenzen gehen, nur um eine Information zu erhalten. Das musste ich mal loswerden.
Eure Leen

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4 Comments

  • Reply Lisa 16. Januar 2017 at 10:57

    Das sehe ich genauso wie du.
    Ich wohne auch in einem Mini-Mini Kuhdorf, jedoch kenne ich hier niemanden außer die Nachbarn Aber auch wenn, dann würde ich nicht wollen, dass mein Privatleben plötzlich jeder kennt..

    • Reply Leen 16. Januar 2017 at 11:34

      Ja, manchmal ist es wirklich anstrengend. Aber oft ist es auch sehr, sehr schön!

  • Reply Lara 17. Januar 2017 at 11:33

    Ich kann dich verstehen und es ist wohl ein Grund warum mich das Leben in einem Dorf abschreckt. (Dicht gefolgt von der meist mangelnden Verkehrsanbindung, wenn man kein Auto hat.) Aber manchmal vermisse ich es schon, dass man seine Nachbarn nicht richtig kennt. Ich würde mich nicht trauen einfach mal nach Mehl oder Zucker zu fragen.
    Das ist in Finnland sehr verbreitet, viele sind einfach stiller und es „gehört sich nicht“ im Treppenhaus zu grüßen. Da bin ich ganz froh, dass wir in unserem Haus viele Nationen vertreten haben, die sind da lockerer. 😉

    • Reply Leen 17. Januar 2017 at 20:56

      Hey Lara! Ja, ich habe das einfach mal sagen wollen. Deine Punkte sind auch sehr interessant. So unterschiedlich ist es. Da hattest du sicher eine große Umstellung zu meistern. Ich drück dich und liebe Grüße

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