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Zweifel, Ängste und mütterliche Sorgen

23. November 2016

Ich habe mit meiner Freundin am späten Abend geschrieben. Wir sind beide Pädagogen und reden immer ganz offen. Wir kennen uns seid der Jugend und verstehen uns sehr gut, sehen uns aber leider zu wenig. Sie ist im Trennungsjahr, hat ein Kind und war 1,5 Jahre mit diesem zu Hause. Jetzt arbeitet sie seit ein paar Monaten wieder und hat den Jungen bei der Tagesmutter. Unsere Situation ist anders, ich bin momentan Zuhause und mein Mann geht arbeiten. Das Seidenraupenkätzchen lebt krippenfrei. Finanzielle Engpässe haben wir beide. Meine Freundin, weil einfach das Einkommen des Mannes fehlt und wir, weil mein Einkommen fehlt. So hat jeder sein Päckchen zu tragen und seine eigenen Ängste, Zweifel und mütterliche Sorgen. Meine Freundin macht sich Gedanken, ihrem Kind nicht gerecht zu werden, weil sie arbeiten geht und nicht mehr so viel Zeit für ihn hat und das Geld trotzdem vorne und hinten nicht reicht. Es kommt der Anspruch an sich selbst und die finanzielle Belastung in die Waagschale des Lebens. Meine Ängste und Sorgen sind auch finanzieller Natur, da ich mir zukunftsperspektivisch Gedanken machen muss. Wir verzichten auf viele Dinge, damit ich meine Tochter in der sensiblen frühkindlichen Phase betreuen kann. In der Gesellschaft höre ich nur: „Na wenn ihr euch das leisten könnt!?“ Das ist ein schwerer Spruch für mich, da wir uns wirklich einschränken, um uns die familiäre Betreuung „leisten zu können“. Meine Freundin verzichtet auch auf Zusätzliches oder Luxusgüter oder einfach kleine Extras, weil sie das Leben für sich und ihr Kind allein stämmen muss, obwohl sie ja arbeitet. Unterhaltszahlungen sind schön und gut, aber sind wir doch mal realistisch. Bei vielen Frauen war es das dann auch, mit der männlichen Unterstützung. Ob es bei meiner Freundin so ist, weiß ich nicht. Aber ich kenne viele Frauen, bei denen es mit der Unterhaltszahlung für den Ex dann getan ist. Bei mir kommt die Sorge hinzu, zu vereinsamen. Eigentlich ist das Quatsch, da ich wirklich sozial bin und tolle Freunde und Freundinnen habe, ich drück und küsse euch hier alle mal! Aber der Winter kommt und ich habe einfach die Angst, hier allein zu sitzen. Ich muss für mich diesen Winter darauf achten, gut für unser soziales Leben zu sorgen. Das es da meiner Freundin sonderlich besser geht, bezweifele ich. Sie arbeitet und abends ist sie für ihr Kind da und sicher auch müde. Da beschränken sich soziale Kontakte auf die Arbeit. Jede von uns zweifelt auch mal, ob wir unseren Aufgabe gerecht werden, unserem Anspruch an uns selbst, dem gesellschaftlichen Druck standhalten? 

Ich möchte euch sagen, dass ihr alle gute Mütter seid, ganz gleich ob ihr eure Kinder selbst betreut oder sie in eine Kita oder zur Tagesmutter gebt. Es gibt keinen richtigen und keinen falschen Weg. Lasst euch nicht von schönen Hochglanzbildern und Zeitungen und Plätzchen backende Mega-Mama-Bloggerinnen verunsichern. Auch bei den Supermamas ist mal Chaos, wenn dort, aus verschiedensten Gründen, die Ranch brennt. Ihr seid gut so, wie ihr seid! Wenn ihr euren Kindern zeigt, dass ihr sie  liebt, in Beziehung geht und einander achtet, dann werden sie sich daran erinnern. An eine geborgene Kindheit. Auch eine halbe Stunde am Abend, nach der Arbeit, exklusiver Zeit, kann so viel Beziehung pflegen und geben. Ein Spiel zusammen, ein tolles Buch, welches ihr mit voller Aufmerksamkeit lest oder ihr einfach zusammen spielt, lässt den Tag doch wundervoll enden. Ihr seid gut, so wie ihr seid und ich weiß, dass ihr eurer Bestes gebt. Auch im stressigen Alltag kann die Beziehung statt der Erziehung euch wunderschöne Momente mit euren Kindern verschaffen.

Eure Leen 

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